Der Kia EV6 ist das Design-Raumschiff. Der Kia EV9 ist der riesige Luxus-Tanker. Aber was fehlte? Der „Golf“ der Familie. Das Auto für die breite Masse. Hier ist er: Der Kia EV5. Er ist der elektrische Nachfolger des Kia Sportage. Im Jahr 2026 muss er in die größten Fußstapfen treten, die Kia zu bieten hat. Der Sportage war jahrelang der Bestseller. Die Strategie beim EV5: Kante zeigen wie der EV9, aber Technik nutzen, die bezahlbar bleibt (LFP-Akkus, 400-Volt-System). Ist das der „Volks-Wagen“ aus Korea, der den VW ID.4 und das Tesla Model Y endgültig in die Schranken weist? Ich habe den kantigen Familienfreund getestet.
Design: Ein kleiner Block aus Granit
Wenn Sie den großen EV9 mögen, werden Sie den EV5 lieben. Er sieht exakt so aus wie sein großer Bruder, nur dass er in der Wäsche eingelaufen ist. Er ist 4,61 Meter lang. Das ist die klassische Kompakt-SUV-Größe (genau wie ein Sportage oder VW ID.4). Die „Star Map“-Lichtsignatur vorne und hinten wirkt futuristisch. Die Radhäuser sind eckig und mit Plastik beplankt. Er wirkt robust, stabil und sicher. Der Design-Trick: Durch die Kastenform („Boxy Design“) verschenkt er keinen Millimeter Platz. Während ein Tesla Model Y oder ein VW ID.5 hinten abfallen (Coupé-Form), bleibt das Dach beim EV5 gerade. Das freut den Kühlschrank, den Sie transportieren wollen, und die Frisur der Oma auf der Rückbank.
Innenraum: Die rollende Lounge
Ich steige ein. Kia nennt das Konzept „Room for Life“. Und tatsächlich: Es fühlt sich luftiger an als im engen Cockpit des EV6. Das Armaturenbrett ist niedrig, die Mittelkonsole schwebt nicht hoch zwischen den Sitzen, sondern ist tief und offen. In einigen Märkten gibt es vorne eine durchgehende Sitzbank („Bench Seat“). In der Europa-Version (mein Testwagen) haben wir zwar Einzelsitze, aber die Armlehne ist so gestaltet, dass es wie eine Lounge-Landschaft wirkt. Materialien: Viel Recycling-Stoff, Bio-Kunststoff. Es fühlt sich wohnlich an, weniger technisch-kalt als im Tesla. Die Bildschirme (das bekannte ccNC-System mit drei Displays unter einem Glas) sind brillant und schnell. Endlich gibt es kabelloses Apple CarPlay/Android Auto serienmäßig. Clevere Details:
- V2L-Steckdose: Im Kofferraum und außen (per Adapter).
- Klapptisch: Die Mittelkonsole lässt sich teilweise zum Tisch ausklappen (je nach Ausstattung).
- Kofferraum: 513 Liter. Dazu ein genialer doppelter Boden („Multi-Table“), der als Regal oder Trenner dient. Und ja, es gibt einen Frunk (67 Liter) für das Kabel!
Fahrbericht: Komfort schlägt Sport
Hier liegt der größte Unterschied zum EV6. Der EV6 ist ein sportlicher Hecktriebler (bzw. AWD). Der EV5 ist im Basis-Layout ein Fronttriebler (wie der alte Verbrenner-Sportage). Ich fahre den Long Range FWD mit 160 kW (218 PS). Szenario Stadt: Er fährt sich extrem sanft. Die Lenkung ist leicht. Er ist kein Kurvenräuber, er ist ein Gleiter. Man merkt, dass Kia das Fahrwerk weicher abgestimmt hat. Er schluckt Bodenwellen souverän weg. Das ist das perfekte Auto für den Schulweg und den Einkauf.
Szenario Autobahn: Der EV5 liegt ruhig. Die Dämmung ist gut, aber bei 130 km/h hört man den Wind an der steilen A-Säule etwas mehr als beim flachen EV6. Die 218 PS reichen völlig aus (0-100 in ca. 8,5 Sekunden), aber er hat nicht diesen „Punch“, den man von E-Autos oft gewohnt ist. Er beschleunigt linear und unaufgeregt. Wer Allrad und mehr Power will, muss zur AWD-Version (ca. 306 PS) greifen.
Der Technik-Unterschied (400V vs. 800V): Um den Preis zu drücken, nutzt der EV5 nicht die teure 800-Volt-Technik des EV6/EV9. Er nutzt ein 400-Volt-System. Das bedeutet: Er lädt nicht in 18 Minuten. Er braucht von 10 auf 80 % ca. 27 bis 30 Minuten (Peak ca. 140 kW). Das ist 2026 „Standard“, aber kein Spitzenwert. Dafür ist die Batterie günstiger.
Akku & Verbrauch: Die LFP-Revolution
Kia setzt beim EV5 (je nach Markt und Version) auf LFP-Batterien (Lithium-Eisen-Phosphat). Mein „Long Range“ hat satte 88 kWh Kapazität. Das ist riesig für diese Klasse! Verbrauch:
- Stadt: 15,5 kWh/100km.
- Autobahn (130 km/h): 21,0 kWh/100km. (Die Kastenform fordert Tribut). Reichweite: Dank des riesigen Akkus kommt man real extrem weit.
- Stadt/Land: über 550 km.
- Autobahn: ca. 400 km. Das nimmt jedem die Reichweitenangst. Zudem sind LFP-Akkus extrem langlebig und man darf sie bedenkenlos immer auf 100% laden.
Technische Daten & Realitäts-Check
Datenpunkt | Kia EV5 Long Range FWD (2026) | Alex Wind Kommentar |
Antrieb | Frontantrieb (FWD) | Ungewöhnlich für E-Autos, aber sicher und berechenbar. |
Leistung | 160 kW (218 PS) / 310 Nm | Vernunft-Motorisierung. |
0-100 km/h | 8,5 Sekunden | Völlig ausreichend für Familien. |
Batterie | 88 kWh (LFP) | Der Star des Autos. Robust und groß. |
Reichweite (WLTP) | ca. 540 – 560 km | Realistische 400km+ auf der Autobahn. |
Laden (DC) | max. 140 kW (400V) | Der Kompromiss für den Preis. Ca. 30 Min. |
Laden (AC) | 11 kW | Standard. |
Kofferraum | 513 – 1.718 Liter | Sehr gut nutzbar dank Kastenform. + Frunk. |
Preis (Basis) | ca. 42.000 € | Kampfansage an VW. |
Preis (Testwagen) | 48.500 € | Mit großem Akku und Tech-Paket. |
Pro & Contra
- ✅ Platzangebot: Die Kastenform sorgt für Kopf- und Kofferraum.
- ✅ Akku: 88 kWh LFP ist in dieser Preisklasse eine Ansage.
- ✅ Komfort: Sehr entspanntes Fahrwerk und wohnlicher Innenraum.
- ✅ Bedienung: Echte Tasten für Klima & Co. kombiniert mit Top-Software.
- ✅ V2L: Kaffeemaschine beim Camping betreiben? Kein Problem.
- ❌ Laden: Lädt langsamer als der EV6 (kein 800V).
- ❌ Antrieb: Frontantrieb scharrt bei Nässe und Vollgas kurz mit den Hufen.
- ❌ Material: Manche Kunststoffe im unteren Bereich sind kratzempfindlich.
Konkurrenz-Check
- VW ID.4 / ID.5: Der Platzhirsch. Fährt sich sehr ähnlich (komfortabel), hat aber oft Software-Schwächen und keinen Frunk. Der Kia bietet mehr Garantie (7 Jahre).
- Tesla Model Y: Der Effizienz-König. Lädt schneller, verbraucht weniger, hat mehr Power. Aber: Kein Tacho hinterm Lenkrad, härteres Fahrwerk und keine Parksensoren (nur Vision). Der Kia ist „mehr Auto“.
- BYD Seal U: Auch Frontantrieb, auch LFP-Akku, sehr weich gefedert. Aber die Software von Kia ist deutlich besser und europäischer abgestimmt.
Fazit: Alex Wind meint…
Der Kia EV5 (2026) ist das ehrlichste Elektroauto im Portfolio der Koreaner. Er versucht nicht, ein Sportwagen zu sein (wie der EV6). Er ist kein überteuertes Luxus-Schiff (wie der EV9). Er ist einfach ein verdammt guter, praktischer Familienwagen. Der Wechsel auf Frontantrieb und 400-Volt-Technik wird Tech-Nerds ärgern. Aber für die Familie Müller, die vom Diesel-Sportage umsteigt, ist das egal. Sie bekommen riesige Reichweite (88 kWh!), viel Platz und 7 Jahre Garantie zu einem Preis, bei dem VW und Tesla schlucken müssen. Wem empfehle ich ihn: Familien, die Platz brauchen, Pragmatikern und allen, die den kantigen Look lieben. Wem rate ich ab: Autobahn-Rasern und Leuten, die auf der Langstrecke jede Minute Ladezeit sparen wollen (dann lieber EV6 kaufen).
FAQ
1. Warum hat er kein 800-Volt-System wie der EV6? Um Kosten zu sparen. Der EV5 soll das Volumenmodell für die Masse sein. Die 400V-Technik ist günstiger in der Herstellung. Dafür bekommt man mehr Batterie-Kapazität fürs gleiche Geld.
2. Ist LFP im Winter schlechter? LFP-Akkus sind kälteempfindlicher als NMC-Akkus. Aber Kia verbaut eine Wärmepumpe und ein intelligentes Batterie-Management. Wenn Sie das Navi zum Lader nutzen, wird der Akku vorkonditioniert. Im Alltag werden Sie den Unterschied kaum merken, außer dass er bei -10 Grad vielleicht 5 Min länger lädt.
3. Gibt es einen EV5 GT? Wahrscheinlich wird später eine GT-Line oder sogar ein echter GT (mit AWD und mehr Power) folgen. Aber ein „Rennwagen“ wird der hohe Kasten nie werden. Dafür ist die Plattform hier nicht ausgelegt.



















































