Kia PV5 Passenger (2026) im Test: Der ID.Buzz-Killer zum Discounter-Preis?

Jahrelang haben wir auf den VW ID.Buzz gewartet. Als er kam, war er cool, aber sündhaft teuer (60.000 €+). Jetzt kommt Kia und sagt: „Haltet mal mein Kimchi.“ Der Kia PV5 ist das erste Modell der neuen „PBV“-Strategie (Platform Beyond Vehicle). Das klingt nach Marketing-Bingo, heißt aber übersetzt: Ein modulares Auto, das vom Lieferwagen bis zum Robotaxi alles sein kann. Ich habe die Passenger-Version getestet. Sie sieht aus wie ein Raumschiff aus einem Cyberpunk-Film, bietet Platz wie ein Kleinbus und kostet in der Basis unter 45.000 Euro. Ist das der „Volks-Bus“, auf den Familien gewartet haben, oder fühlt man sich darin wie ein DHL-Paket?

Design: Ein Toaster aus der Zukunft

Vergessen Sie Retro-Charme. Der PV5 will nicht niedlich sein wie der ID.Buzz. Er ist radikal funktional. Die Front ist glatt, nur unterbrochen von den vertikalen LED-Streifen („Star Map“). Die Silhouette ist ein perfekter Quader. Die Karosserie ist modular. Die Stoßfänger und Seitenschweller sind aus unlackiertem, robustem Bio-Kunststoff. Wenn Sie beim Einparken einen Poller küssen, tauschen Sie nur das betroffene Teil aus. Das spart Geld und Nerven. Der „Easy Swap“-Mythos: Kia wirbt mit Technologien, bei denen man den Aufbau hinter der Kabine tauschen kann. Für den Privatkunden ist das (noch) Zukunftsmusik. Ihr PV5 Passenger bleibt ein Passenger. Aber die Idee der Modularität spürt man überall. Mit 4,70 Metern Länge ist er exakt so lang wie ein ID.Buzz (kurzer Radstand), wirkt aber durch die kastige Form (fast 1,90 m hoch und breit) massiver.

Innenraum: Willkommen im Loft

Ich steige ein – oder besser gesagt: Ich gehe hinein. Der Boden ist komplett flach. Es gibt keine Mittelkonsole, die stört. Das Cockpit ist reduziert. Ein breites Display, ein Lenkrad, das sich zum Tisch klappen lässt (im Stand!), und viele Ablagen. Das Sitz-Konzept: Mein Testwagen ist der 5-Sitzer (ein 7-Sitzer folgt). Die Rückbank ist keine Bank. Es sind Einzelsitze, die sich verschieben, klappen und (je nach Konfiguration) drehen lassen. Der Platz in Reihe 2 ist gigantisch. Man kann die Beine übereinanderschlagen. Der Kofferraum ist ein Lagerhaus: Über 1.300 Liter hinter der zweiten Reihe. Wer die Sitze umklappt oder ausbaut, kann darin wohnen. Materialien: Viel Hartplastik, aber mit interessanten Texturen und Stoffen überzogen. Es wirkt nicht „billig“, sondern „unverwüstlich“. Man hat keine Angst, dass die Kinder etwas kaputtmachen. Es ist ein „Gebrauchs-Raum“, kein Museum.

Fahrbericht: Entschleunigung ist Programm

Wir starten den E-Motor an der Vorderachse. 120 kW (163 PS). Das klingt nach wenig für einen 2,2-Tonnen-Kasten. Ist es auch, wenn man Ampelrennen gewinnen will. Aber für den Alltag reicht es völlig. Szenario Stadt: Hier ist der PV5 in seinem Element. Der Wendekreis ist überraschend klein (ca. 11,5 m). Die Übersichtlichkeit ist dank der riesigen Fenster und der senkrechten Wände phänomenal. Man sieht alles. Das Fahrwerk ist komfortabel, aber straffer als bei einem französischen Van. Man merkt die Nutzfahrzeug-Gene bei kurzen Stößen (Gullideckel), aber es poltert nicht.

Szenario Autobahn: Der PV5 gleitet bis 120 km/h ruhig. Die Windgeräusche an der steilen A-Säule sind da, aber gut gedämmt. Überholmanöver muss man planen. Ab 130 km/h wird der Luftwiderstand zum Feind des Verbrauchs. Vmax ist bei 135 km/h abgeregelt. Er ist kein Reisebus für die linke Spur, er ist ein Cruiser.

Verbrauch & Reichweite: Kia nutzt eine angepasste Plattform (E-GMP.S) mit 400-Volt-Technik (um Kosten zu sparen). Ich teste die große 71,2 kWh Batterie (es gibt auch eine kleine mit 51,5 kWh).

  • Stadt: 16,5 kWh/100km. (Sehr effizient!).
  • Autobahn (120 km/h): 24,5 kWh/100km. (Die Physik lässt grüßen).
  • Realistische Reichweite: ca. 320 – 380 km. Im reinen Stadtverkehr sind 450 km möglich.

Laden: Da es „nur“ 400-Volt-Technik ist, lädt er nicht in 18 Minuten wie ein EV6. Maximal 150 kW. Von 10 auf 80 % dauert es 30 Minuten. Das ist solide und genau so schnell wie der VW ID.Buzz.

Technische Daten & Realitäts-Check

Datenpunkt
Kia PV5 Passenger Long Range (2026)
Alex Wind Kommentar
Motor
Frontantrieb (120 kW / 163 PS)
Keine Rakete, aber ehrlich.
0-100 km/h
ca. 11,0 Sekunden
Entschleunigt.
Batterie
71,2 kWh (NMC)
Die vernünftige Wahl. (51 kWh nur für City).
Laden (DC)
max. 150 kW (400V)
30 Min Standard-Pause.
Laden (AC)
11 kW
Serie.
Reichweite (WLTP)
ca. 410 km
Real auf der Langstrecke eher 320 km.
Kofferraum
> 1.300 Liter
Ein Laderaum-Monster.
V2L
Ja (3,6 kW)
Perfekt für Camping oder Handwerker.
Preis (Basis)
ca. 43.000 €
Das ist die Kampfansage an VW.
Preis (Testwagen)
49.500 €
Vollausstattung. Immer noch günstiger als ein nackter ID.Buzz.

Pro & Contra

  • Preis: Startet fast 15.000 € unter einem vergleichbaren VW ID.Buzz.
  • Raum: Quadratisch, praktisch, gigantisch. Beste Raumnutzung der Klasse.
  • Robustheit: Austauschbare Teile und strapazierfähige Materialien.
  • Software: Schnelles System mit guter Ladeplanung.
  • Leistung: 163 PS sind bei voller Beladung an der Grenze.
  • Laden: „Nur“ 400-Volt-Technik (kein High-Speed-Laden wie beim EV6).
  • Image: Sieht halt immer noch ein bisschen nach Lieferwagen aus.

Konkurrenz-Check

  • VW ID.Buzz: Der Lifestyle-König. Fährt sich PKW-ähnlicher (Heckantrieb, mehr Power), ist innen schicker/bunter, aber viel teurer und bietet weniger reinen Nutzwert.
  • Ford E-Transit Custom: Der echte Handwerker. Größer, aber weniger „Passenger“-Komfort. Eher ein Shuttle als ein Familienauto.
  • Maxus Mifa 9: Der Luxus-Chinese. Riesig, viel Leder, aber Software und Fahrwerk kommen nicht an Kia heran.

Fazit: Alex Wind meint…

Der Kia PV5 Passenger (2026) ist das ehrlichere Auto im Vergleich zum VW ID.Buzz. Er verkauft Ihnen keinen Retro-Kitsch. Er verkauft Ihnen Nutzen. Er ist ein Werkzeug für das moderne Leben. Egal ob als Familienkutsche, Surf-Mobil oder Shuttle. Ja, er lädt langsamer als ein EV6. Ja, er ist kein Rennwagen. Aber für unter 45.000 Euro bekommen Sie nirgendwo mehr Platz und moderne E-Technik. Wenn Sie über das „Kastenbrot“-Design hinwegsehen können (oder es sogar feiern), ist das der Deal des Jahres. Wem empfehle ich ihn: Familien mit 3 Kindern + Hund, Hobby-Spediteuren und Shuttle-Diensten. Wem rate ich ab: Leuten, die Status brauchen und Autobahn-Raser.

FAQ

1. Kann man die Sitze komplett ausbauen? Ja, aber sie sind schwer. Es ist nicht so einfach wie das „Magic Seat“ System bei Honda früher, aber mit etwas Muskelkraft verwandelt man den Passenger in einen Transporter.

2. Kommt eine Camper-Version? Kia hat Studien (PV5 WKNDR) gezeigt. Offiziell ab Werk gibt es 2026 noch keinen Camper, aber Dritthersteller stürzen sich schon auf den PV5, weil der flache Boden und die Kastenform perfekt für den Ausbau sind.

3. Ist das Lenkrad wirklich klappbar? In den Konzepten ja. In der Serienversion ist es oft eine Option für spezielle „Business“-Ausstattungen, um in Ladepausen am Laptop arbeiten zu können. Prüfen Sie die Ausstattungsliste genau!

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Author: Alex Wind
Alex Wind ist Gründer von HH-AUTO und Chefredakteur des Mediennetzwerks. Als studierter Fahrzeugtechniker (FH Esslingen) mit über 10 Jahren Erfahrung in der Automobilindustrie (u.a. Qualitätssicherung) und Mitglied im Verband der Automobiljournalisten (VDAJ), legt er den Fokus auf fundierte Testberichte, technische Analysen und Import-Checks.


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