Mercedes-Benz GLE (2026) im Test: Warum der „Dicke“ immer noch der Chef im Ring ist

Wenn man in Deutschland „Business-SUV“ sagt, meint man meistens zwei Autos: Den BMW X5 oder den Mercedes GLE. Der BMW war immer der Sportler. Der Mercedes war immer die Burg. Im Modelljahr 2026, nach einem weiteren leichten Technik-Update, hat der Mercedes-Benz GLE (Baureihe V167) seine Position als ultimative Komfort-Festung gefestigt. Er ist groß, er ist schwer, und er ist teuer. Aber er hat ein Alleinstellungsmerkmal, das Audi und BMW so nicht bieten: Die Kombination aus Diesel und Plug-in-Hybrid mit einer Monster-Batterie. Wir haben den GLE 350 de getestet – das Auto für Menschen, die unter der Woche elektrisch pendeln und am Wochenende mit dem Pferdehänger nach Sylt fahren.

Der Antrieb: Das Diesel-Wunder

Es ist fast schon frech, was Mercedes hier macht. Während andere Hersteller den Diesel verteufeln, kombiniert Stuttgart ihn mit modernster E-Technik. Unter der Haube des GLE 350 de arbeitet ein 2.0-Liter Vierzylinder-Diesel (197 PS). Im Getriebe sitzt ein 136 PS Elektromotor. Systemleistung: 333 PS und 750 Nm Drehmoment. Das klingt gut, aber das Highlight ist die Batterie. 31,2 kWh Kapazität. Das ist mehr als in einem frühen Nissan Leaf! Das Ergebnis: Wir sind im Test 90 bis 105 Kilometer rein elektrisch gefahren. Das bedeutet: Der GLE ist im Alltag ein reines Elektroauto. Er surrt lautlos zum Büro, zum Supermarkt, zur Schule. Der Diesel bleibt kalt. Aber wenn Sie auf die Autobahn müssen? Dann springt der Selbstzünder an. Und weil es ein Diesel ist, säuft er nicht wie die Benziner-Hybride (Volvo XC90, wir schauen dich an!). Auf der Langstrecke mit leerem Akku verbraucht dieser 2,7-Tonnen-Koloss nur 7,5 bis 8,5 Liter Diesel. Das ist physikalisch fast ein Wunder.

Fahrwerk: E-Active Body Control – Der fliegende Teppich

Mercedes bietet für den GLE verschiedene Fahrwerke an. Das Stahlfahrwerk (Basis) ist okay. Die Luftfederung (Airmatic) ist super. Aber wenn Sie Geld hassen und Komfort lieben, bestellen Sie das E-Active Body Control. Das System scannt die Straße mit Kameras. Bevor Sie über den Bremshügel fahren, weiß das Fahrwerk schon Bescheid und hebt die Räder an. Das Ergebnis ist surreal. Der GLE schwebt über Schlaglöcher. Er negiert den Straßenzustand. Ja, es gibt den „Kurvenneige-Modus“, bei dem sich das Auto wie ein Motorrad in die Kurve legt. Und ja, es gibt den „Freischaukel-Modus“ (Bounce Mode), mit dem man im Sand hüpfen kann (oder vor der Eisdiele angeben). Aber im Alltag ist es einfach der ultimative Komfort. Ein BMW X5 ist direkter, sportlicher, verbindlicher. Der GLE ist eine Sänfte.

Innenraum: Breite Schultern, große Bildschirme

Steigen wir hoch. Man „steigt“ nicht ein, man entert den GLE. Das Raumgefühl ist gigantisch. Man sitzt weit weg vom Beifahrer. Die Mittelkonsole ist so breit wie ein Bierkasten. Das Widescreen-Cockpit (zwei 12,3 Zoll Displays) ist auch 2026 noch State-of-the-Art. MBUX funktioniert perfekt. Die Materialien sind edel (offenporiges Holz, Leder), solange man nicht ganz unten im Fußraum sucht. Hinten ist Platz im Überfluss. Die Rückbank lässt sich elektrisch verstellen (optional). Es gibt eine dritte Sitzreihe (7-Sitzer), aber Vorsicht: Im Hybrid (350 de) ist die oft nicht verfügbar oder stark eingeschränkt wegen der Batterie. Prüfen Sie das im Konfigurator genau! Der Kofferraum ist beim Hybrid etwas kleiner als beim reinen Verbrenner (Ladeboden ist höher), aber da der GLE ohnehin riesig ist, stört das kaum (ca. 490 bis 1915 Liter). Die Ladekante ist allerdings hoch – gut, dass man das Heck per Luftfederung absenken kann.

Anhängelast: Der König der Camper

Ein Hauptgrund für den GLE: Er ist ein Zugpferd. Auch als Hybrid darf er 3.500 kg (3,5 Tonnen) ziehen. Viele Konkurrenten schaffen als Hybrid nur 2,5 oder 3 Tonnen. Dazu kommt der geniale Anhänger-Rangier-Assistent. Sie sagen dem Auto per Touchscreen, wo der Hänger hin soll (z.B. 90 Grad Knick), und der GLE lenkt selbstständig. Wer schon mal auf dem Campingplatz unter den Blicken der Nachbarn versagt hat, zahlt dafür jeden Preis.

Die Nachteile: Gewicht und Preis

Wo Licht ist, ist auch Schatten.

  1. Das Gewicht: Der GLE 350 de wiegt leer fast 2,7 Tonnen. Mit Familie und Gepäck knacken Sie die 3 Tonnen. Das merkt man beim Bremsen und in schnellen Kurven. Er schiebt mächtig über die Vorderräder. Sportlich ist anders.
  2. Der Preis: Ein „nackter“ GLE kostet schon viel. Mit AMG-Line, Premium-Paket, Fahrwerk und Hybridtechnik landen Sie spielend bei 110.000 Euro.
  3. Die Größe: In alten Parkhäusern (2 Meter Breite) bekommen Sie Schweißausbrüche.

Fazit: Das beste SUV für die Langstrecke

Der Mercedes-Benz GLE (2026) ist kein Auto für die Rennstrecke und kein Auto für die enge Innenstadt. Er ist ein Kilometerfresser. In der Version GLE 350 de ist er konkurrenzlos. Kein anderer Hersteller bietet diese perfekte Symbiose aus „Elektroauto für die Stadt“ und „Sparsamem Diesel für die Reise“. Ein BMW X5 xDrive50e (Benzin-Hybrid) ist sportlicher, verbraucht aber auf der Langstrecke mehr. Wer Komfort und Zugkraft sucht, kommt am GLE nicht vorbei. Er ist die rollende Trutzburg gegen den Stress des Alltags.

Kaufen Sie ihn, wenn:

  • Sie ein schweres Boot oder Pferd ziehen müssen (3,5t Anhängelast!).
  • Sie die Kombination aus Diesel und Elektro logisch finden (wir tun es!).
  • Sie maximalen Federungskomfort suchen (E-Active Body Control).

Lassen Sie es, wenn:

  • Sie „Freude am Fahren“ suchen. Nehmen Sie den BMW X5.
  • Sie oft in engen Parkhäusern parken. Der GLE ist ein Schiff.
  • Ihr Budget begrenzt ist. Die Aufpreisliste ist eine Unverschämtheit.

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Author: Alex Wind
Alex Wind ist Gründer von HH-AUTO und Chefredakteur des Mediennetzwerks. Als studierter Fahrzeugtechniker (FH Esslingen) mit über 10 Jahren Erfahrung in der Automobilindustrie (u.a. Qualitätssicherung) und Mitglied im Verband der Automobiljournalisten (VDAJ), legt er den Fokus auf fundierte Testberichte, technische Analysen und Import-Checks.


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