Mini Aceman (2026) im Test: Der „Goldilocks“-Mini – Besser als Volvo EX30 und Smart #1?

Lange Zeit hatten Mini-Fans ein Problem. Der klassische Mini Cooper (3-Türer) ist cool, aber man kriegt kaum eine Kiste Wasser rein. Der neue Mini Countryman ist inzwischen ein Riese (Größe BMW X1) und kaum noch „Mini“. Die Lücke dazwischen klaffte weit. Jetzt kommt der Mini Aceman. Er ist 4,07 Meter lang. Er ist ausschließlich elektrisch. Er ersetzt den Clubman und den alten 5-Türer. Er will der perfekte City-Crossover sein. Die Konkurrenz ist aber hart: Der Volvo EX30 ist eine Rakete, der Jeep Avenger ein Charmeur und der Smart #1 ein Raumwunder. Ist der Aceman nur ein Mode-Accessoire oder ein echter Kurvenräuber? Ich habe den Aceman SE getestet.

Design: Kantig, knuffig, Kunststoff

Der Aceman traut sich was. Er übernimmt die neue Designsprache („Charismatic Simplicity“) des Cooper, wirkt aber robuster. Die Radkästen sind eckig und mit viel unlackiertem Kunststoff beplankt. Das schreit „Crossover“, schützt aber auch vor Parkremplern in der Innenstadt. Die Scheinwerfer sind nicht mehr rund, sondern kantig. Der Party-Trick: Die Rückleuchten (Matrix-LED) lassen sich im Menü verstellen. Union Jack? Pfeile? Klassisch? Sie entscheiden, wie Ihr Auto heute nach hinten blinkt. Mit seiner Länge passt er in Lücken, an denen der Countryman scheitert. Er ist das ideale Format für Hamburg-Eppendorf oder Berlin-Mitte.

Innenraum: Ein Display regiert sie alle

Ich steige ein. Wow. Mini hat den Innenraum radikal aufgeräumt. Es gibt kein Tacho hinter dem Lenkrad (nur ein optionales Head-up-Display, leider nur eine ausfahrende Scheibe, nicht in die Windschutzscheibe projiziert). Alles passiert auf dem runden OLED-Display in der Mitte. Die Qualität des Screens ist brillant. Die Farben knallen, die Bedienung per Touch ist flüssig. Spike, der Hund: Ein digitaler Assistent in Form eines Hundes („Spike“) wohnt im Display. Spielerei? Ja. Süß? Absolut. Darunter gibt es die klassische „Toggle Bar“ mit echten Schaltern für Gangwahl, Start/Stop und die „Experience Modes“. Materialien: Kein Leder, kein Chrom. Dafür gestrickte Textilien auf dem Armaturenbrett, durch die Lichtmuster scheinen. Das wirkt wohnlich und modern. Platzangebot: Da er auf einer reinen Elektro-Plattform steht, ist das Raumangebot für 4 Meter Auto gut. Hinten sitzen zwei Erwachsene okay (besser als im Cooper, enger als im Smart #1). Der Kofferraum: 300 Liter. Das ist Kleinwagen-Niveau. Für den Großeinkauf reicht es, für den Urlaub muss die Rückbank umgeklappt werden (dann ca. 1.000 Liter).

Fahrbericht: Go-Kart oder Golf-Cart?

Ich fahre den Aceman SE. 160 kW (218 PS) und 330 Nm. (Das Basismodell „E“ hat 184 PS). Mini verspricht „Go-Kart-Feeling“. Liefern sie? Ja. Das Lenkrad ist dick und griffig. Die Lenkung ist extrem direkt übersetzt. Der Aceman wieselt um Ecken, dass es eine Freude ist. Das Fahrwerk ist straff. Wer Sänften-Komfort sucht, ist hier falsch. Man spürt die Straße, aber genau das will man in einem Mini. Der Antritt ist elektro-typisch sofort da. 0-100 km/h in 7,1 Sekunden. Das reicht, um an der Ampel jeden Verbrenner stehen zu lassen. Experience Modes: Schaltet man auf „Go-Kart-Mode“, wird der Sound kerniger (künstliches Surren), die Gasannahme spitzer und das Display rot. Es macht Spaß, auch wenn es Software-Spielerei ist.

Verbrauch & Reichweite: Batterie: 54,2 kWh (netto).

  • Stadt: 13,5 kWh/100km. (Sehr effizient!).
  • Autobahn (130 km/h): 19,0 kWh/100km.
  • Reichweite (Real):
    • Stadt/Mix: ca. 320 – 350 km.
    • Autobahn: ca. 230 – 250 km. Das ist okay für die Stadt, aber auf der Langstrecke muss man planen.

Laden (Der Schwachpunkt): Max. 95 kW (DC). Das ist 2026 eigentlich zu wenig. Ein Volvo EX30 lädt mit 150 kW. Ein Hyundai mit über 200 kW. Der Mini braucht von 10 auf 80 % knapp 30 Minuten. Für die Zielgruppe (Laden zu Hause/Arbeit) mag das reichen, für Roadtrips ist es zäh.

Technische Daten & Realitäts-Check

Datenpunkt
Mini Aceman SE (2026)
Alex Wind Kommentar
Leistung
160 kW (218 PS) / 330 Nm
Spritzig und spaßig.
0-100 km/h
7,1 Sekunden
Fühlt sich schneller an.
Batterie
54,2 kWh (Netto)
Durchschnitt.
Reichweite (WLTP)
406 km
Realistisch 330 km.
Laden (DC)
95 kW
Die Achillesferse. Konkurrenz lädt schneller.
Laden (AC)
11 kW
Standard.
Länge
4.076 mm
Perfekte City-Größe.
Kofferraum
300 – 1.005 Liter
Klein, aber gut nutzbar.
Preis (Basis E)
ca. 35.000 €
Teurer Lifestyle.
Preis (Testwagen SE)
ca. 46.500 €
Mit John Cooper Works Trim.

Pro & Contra

  • Fahrspaß: Lenkung und Fahrwerk sind typisch Mini – direkt und agil.
  • Design: Innen wie außen ein echtes Statement. Das OLED-Display ist ein Highlight.
  • Größe: Endlich wieder ein „kleiner“ 5-Türer von Mini.
  • Software: Das Operating System 9 ist verspielt, aber schnell und intuitiv.
  • Ladegeschwindigkeit: 95 kW sind im Jahr 2026 fast schon retro (im negativen Sinn).
  • Preis: Mit Ausstattung wird er sündhaft teuer.
  • Plastik: Außen viel unlackiertes Plastik, das nicht jedem gefällt.
  • Head-up-Display: Nur die billige Plexiglas-Scheibe („Combiner“), keine Projektion.

Konkurrenz-Check

  • Volvo EX30: Der Schnellere. Lädt schneller (153 kW), beschleunigt brutaler (bis 428 PS), ist aber innen noch reduzierter (kein Tacho, keine Tasten) und hinten enger.
  • Smart #1: Der Geräumige. Bietet deutlich mehr Platz für Passagiere, fährt komfortabler, wirkt aber weniger sportlich.
  • Jeep Avenger: Der Abenteurer. Sieht rustikaler aus, fährt sich weicher, ist aber technisch (Infotainment) schwächer.
  • Alfa Romeo Junior: Der Italiener. Fährt sich ebenfalls sehr sportlich, hat mehr Kofferraum (400L), aber das Design polarisiert noch mehr.

Fazit: Alex Wind meint…

Der Mini Aceman (2026) ist der ehrlichste Mini im aktuellen Programm. Er ist nicht so riesig wie der Countryman und nicht so unpraktisch wie der Cooper. Er ist das perfekte Auto für den urbanen Single oder das junge Paar. Er macht verdammt viel Spaß in Kurven. Das Interieur mit dem Stoff und dem OLED-Screen ist ein Design-Meisterwerk, das man jeden Tag gerne ansieht. Aber: Sie müssen ihm verzeihen, dass er beim Laden trödelt. Wenn Sie Langstrecken-Fresser sind: Kaufen Sie einen Tesla oder Hyundai. Wenn Sie ein Auto mit Seele und Style für die Stadt suchen: Kaufen Sie den Aceman. Meine Empfehlung: Nehmen Sie den SE. Der Aufpreis für den größeren Akku und die Mehrleistung lohnt sich. Und bestellen Sie ihn in Rebel Red mit dem schwarzen Dach – so sieht er am frechsten aus.

FAQ

1. Gibt es einen Aceman JCW (John Cooper Works)? Ja. Aber Vorsicht: Es gibt den „JCW Trim“ (nur Optik, sportliche Sitze, Bremsen-Look) für den SE. Und es gibt ein echtes JCW-Performance-Modell (ca. 258 PS). Für den Alltag reicht der normale SE im JCW-Trim völlig aus.

2. Wo wird er gebaut? Die ersten Modelle (2025/Anfang 2026) kommen aus China (Joint Venture mit Great Wall Motors). Ab 2026 soll die Produktion auch im Stammwerk in Oxford (UK) anlaufen. Die Qualität der China-Modelle ist aber tadellos.

3. Hat er Allrad? Nein. Der Aceman ist ein reiner Fronttriebler. Wer Allrad (ALL4) will, muss zum großen Bruder Mini Countryman greifen.

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    Author: Alex Wind
    Alex Wind ist Gründer von HH-AUTO und Chefredakteur des Mediennetzwerks. Als studierter Fahrzeugtechniker (FH Esslingen) mit über 10 Jahren Erfahrung in der Automobilindustrie (u.a. Qualitätssicherung) und Mitglied im Verband der Automobiljournalisten (VDAJ), legt er den Fokus auf fundierte Testberichte, technische Analysen und Import-Checks.