Es ist ein Déjà-vu, das wir mittlerweile kennen. Erst wurde der ASX zum Captur, dann der Colt zum Clio. Und jetzt, Ende 2025, fällt auch die letzte Bastion der Eigenständigkeit: Der neue Mitsubishi Eclipse Cross (Modelljahr 2026) ist da. Und wer die Augen zusammenkneift (oder sie weit aufreißt), sieht sofort: Das ist ein Renault Scenic E-Tech. Für Mitsubishi-Puristen ist das ein harter Schlag. Der alte Eclipse Cross war kauzig, hatte einen genialen Allradantrieb (S-AWC) und einen robusten PHEV-Motor. Der Neue ist vollelektrisch, hat Frontantrieb und Google im Cockpit. Ist das nun Verrat oder die Rettung? Ich bin den neuen „Euro-Japaner“ gefahren und habe gleichzeitig einen Blick auf die letzten Lagerbestände des „alten“ PHEV geworfen. Denn 2026 stehen Sie vor einer Wahl, die unterschiedlicher nicht sein könnte: Moderne französische Elektro-Technik mit japanischer Langzeit-Garantie oder alte japanische Mechanik zum Ausverkaufspreis.
Der Neue: Ein Scenic im Samurai-Kostüm?
Der Eclipse Cross EV nutzt die CMF-EV Plattform. Zum Start kommt er mit der großen 87 kWh Batterie (ca. 600 km WLTP) und 160 kW (218 PS). Eine günstigere 60-kWh-Version folgt Mitte 2026.
Lassen Sie uns fair sein: Der Renault Scenic ist ein fantastisches Auto (Car of the Year 2024). Ihn als Basis zu nehmen, ist schlau. Mitsubishi hat die Front mit dem „Dynamic Shield 2.0“ aggressiver gestaltet als den braven Renault. Er guckt böser. Aber technisch? 1:1 Renault. Das bedeutet:
- Laden: Max. 150 kW. Das ist okay, aber nicht bahnbrechend (Hyundai lädt schneller).
- Fahren: Komfortabel, leise, sicher. Aber das typische Mitsubishi-Rallye-Gefühl? Weg. Es ist ein Gleiter.
- Google Built-in: Das Beste, was passieren konnte. Das Infotainment ist Lichtjahre besser als das alte Mitsubishi-System. Maps plant Ladestopps perfekt, Spotify läuft nativ. Der größte Vorteil gegenüber dem Renault-Original liegt aber im Handschuhfach: Die Garantie. Mitsubishi gibt in Deutschland oft 5 Jahre (plus Anschlussgarantien bis 8 Jahre), während Renault knauseriger ist. Wer das Auto kaufen und lange halten will, fährt mit dem japanischen Logo sicherer.
Der „Alte“ PHEV: Letzte Chance für Allrad-Fans
Der klassische Eclipse Cross Plug-in Hybrid (2.4 Liter, S-AWC Allrad) wird nicht mehr produziert. Händler verkaufen derzeit die letzten Lagerwagen („Auslaufmodell“) ab.
Hier ist mein dringender Rat: Wenn Sie im Allgäu wohnen, einen Hänger ziehen müssen oder einfach keine Ladesäule haben: Kaufen Sie jetzt einen der letzten PHEVs. Die Preise sind im Keller. Einen nagelneuen Eclipse Cross PHEV „Basis“ oder „Plus“ bekommen Sie als Tageszulassung oft für unter 30.000 Euro. Das ist ein Witz für ein Auto mit echtem Allrad und solider Technik. Ja, er lädt langsam (CHAdeMO!), das Navi sieht aus wie Gameboy Color, und er säuft, wenn der Akku leer ist. Aber er ist ein mechanisch robustes Werkzeug. Wenn die weg sind, gibt es bei Mitsubishi keinen 4WD-Kompakt-SUV mehr für unter 50.000 Euro (der Outlander ist eine Klasse höher).
Die Alternative: Der „neue“ Grandis (aka Symbioz)
Wer keinen Stromer will, aber den alten Eclipse Cross zu altbacken findet, muss umdenken. Die Lücke füllt der neue Mitsubishi Grandis.
Lassen Sie sich vom Namen nicht verwirren. Der neue Grandis ist kein Van, sondern ein umgelabelter Renault Symbioz. Er ist der eigentliche Nachfolger für den Alltag:
- Vollhybrid (sehr sparsam, ca. 5 Liter).
- Großer Kofferraum (verschiebbare Rückbank).
- Preislich attraktiv (startet wohl um die 33.000 Euro). Er hat keinen Allrad, aber er löst das Problem „Familienauto ohne Ladekabel“ besser als der neue elektrische Eclipse Cross.
Preis-Check 2026: Elektro-Premium vs. Abverkauf
Der neue Eclipse Cross EV startet mit großem Akku bei ca. 48.000 Euro. Der alte PHEV wird für 29.000 – 35.000 Euro verramscht.
Das ist der Konflikt. Der Neue ist fast 20.000 Euro teurer. Ist er das wert? Nur, wenn Sie zwingend elektrisch fahren wollen und Google-Integration brauchen. Für den Durchschnittsfahrer ist der „alte“ PHEV im Abverkauf das rationalere Schnäppchen. Sie sparen so viel Geld, dass Sie den Mehrverbrauch an Benzin für die nächsten 10 Jahre schon drin haben.
Die Identitätskrise
Feature | Neuer Eclipse Cross EV (2026) | Alter Eclipse Cross PHEV (Lager) | Neuer Grandis (Symbioz) |
Basis | Renault Scenic (CMF-EV) | Mitsubishi (GS-Plattform) | Renault Symbioz (CMF-B) |
Antrieb | Rein Elektrisch (218 PS) | Plug-in Hybrid (188 PS) | Vollhybrid (143 PS) |
Antriebsart | Front (FWD) | Allrad (S-AWC) | Front (FWD) |
Reichweite | ca. 600 km (WLTP) | ca. 45 km (E-Real) + Benzin | ca. 900 km (Tank) |
Infotainment | Top (Google) | Veraltet | Top (Google) |
Preis (Real) | ab ca. 48.000 € | ab ca. 29.900 € | ca. 33.000 € |
Fazit: Ein Logo macht noch keinen Sommer
Der neue Mitsubishi Eclipse Cross (2026) ist ein sehr gutes Elektroauto – weil der Renault Scenic ein sehr gutes Elektroauto ist. Er ist komfortabel, modern und langstreckentauglich. Aber er hat seine Mitsubishi-DNA verloren. Kein Allrad, keine eigene Technik. Wenn Sie ihn kaufen, dann wegen der Garantie. 5 bis 8 Jahre Ruhe sind ein Argument, das Renault nicht bietet. Wenn Sie aber den „echten“ Mitsubishi-Geist suchen (robust, Allrad, hemdsärmelig): Rennen Sie zum Händler und sichern Sie sich einen der letzten PHEVs vom Hof. Billiger werden Sie nie wieder einen so fähigen Allradler bekommen.














