Es gibt Autos, die altern. Und es gibt den Range Rover Velar. Obwohl er im Kern schon seit 2017 auf dem Markt ist, sieht er auch im Jahr 2026 aus, als wäre er gestern erst aus einem Raumschiff gefallen. Er ist der „Avantgarde“-Range Rover. Der Lückenfüller zwischen dem kleinen Evoque und dem großen Sport. Lange Zeit war er das Design-Vorbild für die ganze Marke. Doch mit dem letzten großen Facelift hat Land Rover ein Experiment gewagt: Sie haben alle Knöpfe entfernt. Wirklich alle. Ist der Velar damit zum zen-buddhistischen Tempel der Ruhe geworden oder zum ergonomischen Albtraum? Wir haben den Velar P400e (Plug-in-Hybrid) getestet.
Das Design: Unantastbar elegant
Hier gibt es keine zwei Meinungen: Der Velar ist eines der schönsten SUVs, die je gebaut wurden. Er ist flacher als der Range Rover Sport. Er wirkt gestrecker. Die Türgriffe fahren elegant aus, das Dach scheint zu schweben. Im aktuellen Modelljahr wurde er „geglättet“. Neue Pixel-LED-Scheinwerfer, die wie Juwelen funkeln, und ein überarbeiteter Grill. Er schreit nicht „Ich habe Geld“ (wie ein G63 AMG). Er flüstert „Ich habe Geschmack“. Wer vor der Oper oder der Szene-Bar parken will, macht mit dem Velar alles richtig.
Innenraum: Der radikale Minimalismus
Steigen wir ein und suchen wir den Startknopf. Ah, da ist er noch. Aber das war’s dann auch. Wo früher der geniale zweite Bildschirm und die schönen Drehregler für die Klimaanlage waren, ist jetzt: Holz. Einfach nur Holz. Land Rover nennt das „Reductive Design“. Alles – wirklich alles – wird jetzt über den zentralen, gebogenen 11,4-Zoll-Touchscreen (Pivi Pro) gesteuert.
- Temperatur? Tippen.
- Sitzheizung? Menü öffnen, tippen.
- Fahrmodus (Terrain Response)? Tippen.
- Lautstärke? Ein kleiner Slider am Bildschirmrand (oder am Lenkrad).
Ist das gut? Optisch: Ja. Der Innenraum sieht unglaublich beruhigend und aufgeräumt aus. Wie eine moderne Luxus-Lounge. In der Praxis: Nein. Wer auf einer holprigen Landstraße die Temperatur ändern will, muss den Blick von der Straße nehmen. Es fehlt das haptische Feedback. Die Materialien selbst sind allerdings exquisit. Ob Kvadrat-Wollmischung oder butterweiches Windsor-Leder – hier fühlt man sich wohl, solange man nichts verstellen muss.
Der Antrieb: P400e als goldene Mitte
Der Velar teilt sich die Technik mit dem Jaguar F-Pace. Unsere Empfehlung ist der P400e Plug-in-Hybrid. Ein 2.0-Liter Vierzylinder (300 PS) + E-Motor (143 PS). Systemleistung: 404 PS und 640 Nm. Das reicht für 0-100 km/h in 5,4 Sekunden. Der Vierzylinder klingt unter Last etwas angestrengt (da fehlt der Sound des alten Sechszylinders), aber im Alltag merkt man davon wenig, weil man meist elektrisch gleitet. Die Batterie (19,2 kWh) schafft realistische 50 bis 60 Kilometer. Das Killer-Feature (wie bei allen Land Rover PHEVs): Der DC-Schnelllader. Sie können den Velar an der Autobahnraststätte in 30 Minuten auf 80% laden. Das macht ihn deutlich langstreckentauglicher als viele Konkurrenten, die nur langsam an der Wallbox nuckeln. Ist der Akku leer, pendelt sich der Verbrauch bei 9 bis 10 Litern ein.
Fahrverhalten: Der Cruiser
Der Velar sieht sportlich aus, fährt sich aber nicht so. Er ist ein Komfort-Gleiter. Das Luftfahrwerk filtert Bodenwellen sanft weg. Er liegt satter als der wuselige Evoque, aber nicht so majestätisch wie der große Range Rover. In Kurven merkt man das Gewicht (über 2,2 Tonnen). Er wankt leicht. Ein Porsche Macan fährt Kreise um den Velar. Aber der Velar will gar nicht rasen. Er will entspannen. Dank der hervorragenden Dämmung (Active Road Noise Cancellation) ist es drinnen flüsterleise. Und im Gelände? Er ist ein Land Rover. Er kann mehr, als Sie ihm zutrauen. Wattiefe, Verschränkung, Traktion – alles da. Aber wer fährt mit diesen 21-Zoll-Felgen in den Schlamm?
Platzangebot: Style over Substance
Der Velar ist fast 4,80 Meter lang. Dafür ist das Platzangebot im Fond eher durchschnittlich. Die abfallende Dachlinie kostet Kopffreiheit, die dicken Sitze kosten Kniefreiheit. Zwei Erwachsene sitzen okay, aber nicht „limousinen-artig“. Der Kofferraum (ca. 625 Liter, beim Hybrid etwas weniger durch den hohen Boden) ist gut nutzbar, aber flach. Sperrige Möbelstücke sind schwierig.
Fazit: Das Designerstück
Der Range Rover Velar (2026) ist kein Auto für Pragmatiker. Er ist teuer. Die Bedienung lenkt ab. Und der Platz hinten ist nur okay. Aber er ist ein Auto, das man begehrt. Er ist das iPhone auf Rädern: Wunderschön, hochwertig verarbeitet und ein Statement für Stil. Wer mit der reinen Touchscreen-Bedienung leben kann, bekommt hier das eleganteste SUV der Mittelklasse. Der P400e Hybrid macht ihn zudem steuerlich attraktiv und im Alltag effizient.
Kaufen Sie ihn, wenn:
- Sie das Interieur-Design lieben (und „Zen“ suchen).
- Sie einen Plug-in-Hybrid mit Schnellladefunktion wollen.
- Sie den Komfort eines Range Rover suchen, aber der „Große“ zu wuchtig für die Stadt ist.
Lassen Sie es, wenn:
- Sie physische Knöpfe für Klima und Audio brauchen. Sie werden den Velar hassen.
- Sie maximale Sportlichkeit suchen. Nehmen Sie einen Porsche Macan oder Jaguar F-Pace SVR.
- Sie oft sperrige Dinge transportieren.












