BMW M2 (2026) im Test: Der letzte Samurai im Kampf gegen die Hybrid-Armee

Schauen wir uns kurz um. Wir schreiben das Jahr 2026. Der neue BMW M5 wiegt 2,5 Tonnen und hat einen Stecker. Der Mercedes-AMG C63 ist ein Vierzylinder-Hybrid. Fast alles, was Spaß macht, wird elektrifiziert, schwerer oder weichgespült. Und dann gibt es da dieses kleine, wütende Rechteck: den BMW M2 (Baureihe G87). Er ist der letzte seiner Art. Kein Hybrid-System. Keine Batterien im Unterboden. Nur ein Reihensechszylinder, Hinterradantrieb und – wenn man die Götter anfleht (und extra zahlt) – ein manuelles Schaltgetriebe. Er ist das Auto, das die Ingenieure der M-GmbH wahrscheinlich heimlich nach Feierabend gebaut haben, um nicht wahnsinnig zu werden. Wir haben den M2 als Handschalter und mit Automatik getestet. Ist er der beste BMW, den man aktuell für Geld kaufen kann?

Das Design: Ein Lego-Stein auf Steroiden

Als der G87 vorgestellt wurde, dachten viele, das Design sei ein Unfall. Eckig, klobig, fast wie aus dem Spiel „Minecraft“ gefallen. Aber wissen Sie was? Im Jahr 2026, wo alle Autos rundgelutscht und aerodynamisch optimiert aussehen (um Reichweite zu schinden), wirkt der M2 herrlich brutal. Die weit ausgestellten Kotflügel sind fast so breit wie beim großen Bruder M4. Die Frontschürze besteht eigentlich nur aus Lufteinlässen, die gierig nach Kühlung schnappen. Das Heck mit den vier zentralen Endrohren und dem kantigen Diffusor ist ein Statement. Besonders in der Farbe „Zandvoort Blau“ oder dem neuen „Java Green“ sieht er aus wie ein Spielzeugauto für Erwachsene. Er ist nicht „schön“ im klassischen Sinne wie ein alter E46. Er ist „funktional hässlich“, wie ein Kampfjet oder ein Panzer. Und genau das macht ihn cool. Er steht satt auf der Straße, breiter als ein normaler 2er, und signalisiert jedem: „Leg dich nicht mit mir an, ich habe die Technik vom M4 unter dem Blech.“

Innenraum: Carbon-Sitze und Digital-Wahn

Wer die Tür öffnet, muss sich entscheiden: Will ich Komfort oder will ich Rennsport? Die optionalen M Carbon-Schalensitze sehen fantastisch aus und sparen ein paar Kilo. Aber der Einstieg über die hohe, harte Carbon-Wange ist eine Turnübung, und der „Carbon-Hügel“ zwischen den Beinen (ein Schrittgurt-Durchlass) ist im Alltag… sagen wir mal „gewöhnungsbedürftig“. Für die Rennstrecke genial, für den Weg zum Bäcker eine Qual. Die serienmäßigen Sportsitze sind die bessere Wahl für den Alltag. Das Cockpit selbst wird natürlich vom Curved Display dominiert. Auch hier fehlen die Klimatasten, was nervt. Aber der Blick wandert sofort zur Mittelkonsole. Dort thront im besten Fall ein Schalthebel. Leder, sechs Gänge, mechanische Verbindung. Es fühlt sich an wie ein Relikt aus einer besseren Zeit. Die Verarbeitung ist solide, aber man merkt den Unterschied zum M3/M4. Hier und da gibt es etwas mehr hartes Plastik in den unteren Bereichen. Aber das ist egal. In diesem Auto schaut man auf die Straße, nicht auf das Handschuhfach. Hinten ist übrigens überraschend viel Platz für ein Coupé. Zwei Erwachsene können dort sitzen, wenn sie nicht zu groß sind, und der Kofferraum schluckt genug Gepäck für ein Wochenende am Nürburgring.

Der Antrieb: S58 – Der Motor der Götter

Unter der Haube steckt das Herzstück: Der 3.0 Liter Reihensechszylinder-Biturbo (S58). Es ist exakt der gleiche Motor wie im M3 und M4, nur softwareseitig etwas gedrosselt. Wobei „gedrosselt“ ein Witz ist. Im Modelljahr 2026 leistet er nun 480 PS (nach dem kleinen Update). Er dreht hoch bis 7.200 Touren, er hängt giftig am Gas, und er hat Kraft in jeder Lebenslage. Hier gibt es zwei Welten:

  1. Die 8-Gang-Automatik (ZF): Sie ist perfekt. Sie schaltet blitzschnell, sie knallt die Gänge rein, sie macht das Auto schneller (0-100 in ca. 4,0 Sekunden). Wer Rundenzeiten jagt, muss die Automatik nehmen.
  2. Die 6-Gang-Handschaltung: Objektiv gesehen ist sie schlechter. Sie ist langsamer. Der Verbrauch ist höher. Und sie kostet oft sogar Aufpreis. Aber sie ist das Seele dieses Autos. Selbst zu kuppeln, das Zwischengas zu dosieren (oder die Automatik es machen zu lassen), die Gänge durch die Gasse zu reißen – das ist eine Verbindung zwischen Mensch und Maschine, die kein Computer ersetzen kann. Der M2 ist eines der letzten Autos weltweit mit über 400 PS und Handschaltung.

Der Sound? Dank Partikelfilter (OPF) nicht mehr so rotzig wie früher, aber über die Lautsprecher im Innenraum gut verstärkt. Draußen klingt er bassig, aber nicht mehr asozial laut.

Fahrverhalten: Ein schwerer Go-Kart

Kommen wir zum Kritikpunkt der Internet-Foren: Das Gewicht. Der M2 wiegt ca. 1.700 bis 1.750 kg. Das ist schwer für einen Kompakten. Aber: Er nutzt die Achsen, die Spurbreite und das Fahrwerk des M4. Da der M2 aber einen kürzeren Radstand hat, fährt er sich deutlich agiler und nervöser als der stoische M4. Er lenkt zackig ein. Das Heck ist lebendig. Da es den M2 nur mit Hinterradantrieb gibt (kein xDrive wie beim M240i oder M4!), ist er eine klassische Heckschleuder. Im Trockenen ist das ein Fest. Das aktive M-Differenzial sperrt, man kann wunderbar kontrolliert driften oder präzise Linien fahren. Im Nassen oder im Winter muss man wach sein. 550 Nm auf der Hinterachse bei kurzem Radstand bedeuten: Das Heck überholt dich schneller, als du „DSC off“ sagen kannst. Das Gewicht spürt man beim Anbremsen, aber in Kurven kaschiert das steife Chassis die Pfunde meisterhaft. Er fühlt sich an wie ein Pitbull: Kompakt, muskulös und immer bereit zum Sprung.

Fazit: Kaufen. Jetzt.

Der BMW M2 (2026) ist nicht perfekt. Er ist zu schwer, die Bedienung ist zu touch-lastig, und er ist teuer. Aber er ist ein Charakter-Darsteller in einer Welt voller Statisten. Er ist der letzte Zugang zur „alten“ M-Welt. Wenn der M2 irgendwann eingestellt wird (wahrscheinlich Ende des Jahrzehnts), wird es so etwas nie wieder geben. Wer das Geld hat: Kaufen Sie ihn. Und bitte, tun Sie mir einen Gefallen: Nehmen Sie den Handschalter. Nicht, weil er schneller ist. Sondern weil Sie in 20 Jahren Ihren Enkeln zeigen können, wie man früher Auto gefahren ist. Er ist der „Future Classic“ von heute.

Die ungeschminkte Wahrheit:

  • Die Sitze: Die Carbon-Schalensitze haben diesen „Hubbel“ in der Sitzfläche. Wenn Sie dicke Oberschenkel haben, drückt das Carbon schmerzhaft. Probieren Sie sie unbedingt vor dem Kauf aus!
  • Die Traktion: Ein M240i xDrive (der kleine Bruder mit Allrad) zieht Ihnen an der Ampel bei Nässe gnadenlos davon. Der M2 bringt die Kraft oft nicht auf die Straße, wenn der Asphalt nicht perfekt ist.

Kaufen Sie ihn, wenn:

  • Sie puristischen Fahrspaß suchen (RWD, Handschalter).
  • Sie das Lego-Design feiern, weil es anders ist.
  • Sie einen M4 wollen, der handlicher ist und in die Garage passt.

Lassen Sie es, wenn:

  • Sie Ampelstarts gewinnen wollen (der M2 kämpft mit Traktion).
  • Sie Komfort suchen (das Fahrwerk ist straff, auch im Comfort-Modus).
  • Sie auf das Gewicht achten (ein alter M2 Competition F87 fühlt sich leichter an).

Galerie

Author: Alex Wind
Alex Wind ist Senior Technical SEO Analyst und Automotive-Experte mit Fokus auf Datenprüfung und Marktanalysen für den DACH-Raum.


    ⚠️ Fehler im Artikel entdeckt?


    Helfen Sie uns kurz mit einem anonymen Hinweis:

    Spam-Schutz: