Citroën C5 Aircross (2026) im Test: Das Anti-Tiguan-Manifest, e-DCS6 und die Magie der Einzelsitze

Wir in Deutschland leiden in der automobilen Mittelklasse seit Jahren an einem kollektiven, völlig irrationalen Stockholm-Syndrom. Wir lassen uns von aggressiven Marketing-Abteilungen systematisch einreden, dass ein vollgepacktes Familien-SUV zwingend ein tiefergelegtes Sportfahrwerk, ein überteuertes „R-Line“-Paket und bockharte 20-Zoll-Felgen benötigt. Dann poltern wir mit unseren weinenden Kindern auf der Rückbank über kaputte Landstraßen, spüren jeden einzelnen Kanaldeckel in den eigenen Bandscheiben und reden uns an der roten Ampel stoisch ein: „Das ist sportlich. Das muss so sein.“

Es ist an der Zeit, diese automobile Lüge endgültig zu beenden. Das perfekte, therapeutische Gegenmittel für gestresste Eltern kommt aus Frankreich. Wir haben die völlig neu entwickelte, zweite Generation des Citroën C5 Aircross intensiv getestet. Das auf der modernen STLA-Medium-Plattform basierende, 4,65 Meter lange SUV macht sich nicht einmal im Ansatz die Mühe, das Wort „Sport“ in den Mund zu nehmen. Es ist eine rollende Festung der absoluten Entspannung, ein konsequenter Anti-Tiguan und ein kompromissloses Manifest für den französischen Fahrkomfort.

Technische Daten & Spezifikationen

Kategorie
Citroën C5 Aircross Hybrid 136 e-DCS6 (2026)
Motor & Antrieb
1.2L 3-Zylinder Benziner + 21 kW E-Motor, Frontantrieb
Systemleistung / Drehmoment
136 PS (100 kW) / 230 Nm
Getriebe
6-Gang-Doppelkupplung (e-DCS6) mit E-Motor-Integration
0-100 km/h / Vmax
ca. 10,2 s / 200 km/h
Testverbrauch (Mix)
ca. 5,6 l/100 km (Super)
Anhängelast (gebremst)
1.250 kg
Kofferraumvolumen
580 bis 720 Liter (Verschiebbare Rücksitze!)
Fahrzeuglänge / Breite
4.650 mm / 2.099 mm (inkl. Spiegel – Baustellen-Sieg!)
Basispreis (Schätzung)
ab ca. 34.990 €
Citroën C5 Aircross - Bild 1

Unterhalt, Steuern und die elektrische STLA-Alternative (TCO)

In der Total Cost of Ownership (TCO) richtet sich der von uns getestete Mild-Hybrid (MHEV) mit 136 PS vorrangig an den klassischen Privatkäufer, der niedrige Anschaffungskosten mit einem moderaten Realverbrauch (um die 5,6 Liter) kombinieren möchte. Für Dienstwagenfahrer, die auf die steuerliche 0,25%-Regelung angewiesen sind, hält die hochmoderne STLA-Medium-Plattform im Modelljahr 2026 jedoch den wahren Joker bereit: Den rein elektrischen ë-C5 Aircross.

Dieser Stromer wird mit zwei massiven Batteriegrößen (73 kWh und mächtigen 97 kWh) ausgeliefert. Mit der großen Batterie sind laut WLTP-Zyklus völlig stressfreie Langstrecken von bis zu 680 Kilometern möglich. Flottenmanager, die ihre Mitarbeiter komfortabel und steuerlich optimiert über die Autobahn schicken wollen, greifen zwingend zur elektrischen Variante, da der Mild-Hybrid-Benziner ansonsten mit der vollen, teuren 1,0%-Dienstwagensteuer abgerechnet werden muss.

Design, Abmessungen & die Baustellen-Freigabe

Optisch verabschiedet sich der neue C5 Aircross von den rundlichen, verspielten Formen seines Vorgängers. Die neue Generation tritt mit einer steileren, maskulineren Frontpartie und einer scharf gezeichneten Lichtsignatur wesentlich selbstbewusster auf dem Supermarkt-Parkplatz auf. Trotz der gewachsenen Länge von 4,65 Metern wirkt das Fahrzeug dank geschickt gesetzter Proportionen nicht wie ein überdimensionierter Panzer, sondern bewahrt sich eine gewisse französische Eleganz.

Die absolute Meisterleistung für den deutschen Pendler-Alltag offenbart ein Blick in die technischen Datenpapiere. Mit voll ausgeklappten Außenspiegeln misst das SUV exakt 2.099 Millimeter in der Breite. Das Urteil für den morgendlichen Berufsverkehr ist ein Segen: Sie dürfen in deutschen Autobahnbaustellen völlig legal, unbesorgt und voll kaskoversichert die enge linke Überholspur nutzen, da diese meist auf exakt 2,1 Meter limitiert ist! Während breitere Konkurrenten genervt hinter den Lkw festhängen, ziehen Sie mit dem Citroën völlig entspannt vorbei.

Citroën C5 Aircross - Bild 2

Innenraum: Lounge-Sessel, ChatGPT und der Sieg der Tasten

Wir öffnen die Türen und sinken in das Cockpit. Der Begriff „sinken“ ist hier wörtlich zu nehmen. Die verbauten „Advanced Comfort“-Sitze bestehen in ihrem Kern aus hochverdichtetem Schaumstoff, der mit einer zusätzlichen, 15 Millimeter dicken Schicht aus extrem weichem Spezialschaum überzogen ist. Man setzt sich nicht starr auf diese Sitze, man wird von ihnen sanft umschlossen wie in einem sündhaft teuren skandinavischen Lounge-Sessel. Ein haptischer Traum für Langstreckenfahrer.

Im Gegensatz zur Schwestermarke Peugeot mit ihrem extrem winzigen Lenkrad (i-Cockpit) setzt Citroën auf klassische, unaufgeregte Bedienbarkeit. Das neue, freistehende 12-Zoll-Infotainment-Display reagiert dank neuer Prozessoren endlich verzögerungsfrei und nutzt die künstliche Intelligenz von ChatGPT für eine natürliche, fehlerfreie Sprachsteuerung.

Der absolute, alles überragende Ergonomie-Triumph lauert jedoch direkt unter dem Bildschirm: Citroën verbaut dort weiterhin echte, physische Tastenklaviaturen (die sogenannten „Toggle Switches“). Sie bedienen die Klimaanlage, die Scheibenheizung und den Warnblinker mit einem simplen, blinden Fingerdruck. In einer Zeit, in der Wolfsburger Entwickler elementare Funktionen auf unbeleuchtete Touch-Slider verbannen, ist dieser pragmatische Tastendruck ein gigantischer Gewinn für die Verkehrssicherheit.

Antrieb und Fahrdynamik: Der fliegende Teppich ohne grüne Kugeln

Fahren Sie mit einem modern ausgestatteten, deutschen Kompakt-SUV über einen abgesenkten Bordstein, und Ihr heißer Kaffee schwappt unweigerlich aus dem Becherhalter. Fahren Sie mit dem neuen C5 Aircross über exakt denselben Bordstein, und Sie blicken verwirrt in den Rückspiegel, ob dieser überhaupt existiert hat.

Citroën nutzt hierfür sein mechanisches Meisterstück: Die „Advanced Comfort“-Federung mit hydraulischen Anschlägen (Progressive Hydraulic Cushions). Wer nun panisch an die komplexe, fehleranfällige Hydropneumatik alter Citroën-Modelle mit grünen Federkugeln und leckenden Leitungen denkt, kann aufatmen. Das aktuelle System nutzt völlig konventionelle, absolut wartungsfreie mechanische Stahlfedern. Das Geheimnis sind lediglich kleine Hydraulikkissen im Inneren der Stoßdämpfer, die harte Schläge am Ende des Federwegs sanft und fließend abbauen, anstatt hart gegen Gummi zu knallen. Das Resultat ist der legendäre „Fliegende-Teppich-Effekt“.

Auf der Autobahn gleitet der Wagen in völliger akustischer Ruhe (dank hervorragendem Akustikglas) über Bodenwellen hinweg, als würde er physisch schweben. Ja, in schnellen Kurven neigt sich die Karosserie merklich zur Seite, und beim starken Bremsen taucht die Front spürbar ein. Das Auto kommuniziert nonverbal mit Ihnen: „Entspann dich. Wir haben Zeit.“ Es zwingt Sie förmlich zu einem defensiven, blutdrucksenkenden Fahrstil.

Der neue Mild-Hybrid-Antrieb (e-DCS6) passt perfekt zu dieser Philosophie. Ein 1,2-Liter-Dreizylinder-Benziner (136 PS) ist an ein neues 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe gekoppelt, in dessen Gehäuse ein kleiner Elektromotor (21 kW) integriert wurde. Im Stop-and-Go-Verkehr fährt das SUV fast immer völlig lautlos rein elektrisch an, der Benziner schaltet sich erst bei höherem Tempo vibrationsfrei dazu. Lediglich auf der unlimitierten Autobahn geht der Harmonie die Puste aus: Wer mit vier Personen und vollem Gepäck bei 130 km/h zügig überholen will, zwingt den kleinen Dreizylinder in hohe, hörbar angestrengte Drehzahlregionen. Die 136 PS sind für den schweren Wagen auf der linken Spur schlichtweg das absolute Minimum.

Citroën C5 Aircross - Bild 3

Platzangebot für Familien: Das Wunder der drei Einzelsitze

Das absolute, unangefochtene Killer-Feature für kinderreiche Familien verbirgt sich in der zweiten Sitzreihe. Während die gesamte Konkurrenz meist nur eine starre, durchgehende Rückbank mit einem unbequemen, harten Notsitz in der Mitte anbietet, geht Citroën keine Kompromisse ein.

Im Fond des C5 Aircross thronen drei völlig identisch breite, einzeln verschiebbare und in der Lehnenneigung verstellbare Einzelsitze! Wenn Sie drei Kinder haben und drei breite Kindersitze nebeneinander montieren müssen, ist dieses Auto die absolute Erlösung. Citroën verbaut die vorgeschriebenen Isofix-Halterungen auf den beiden äußeren Rücksitzen sowie auf dem vorderen Beifahrersitz. Der mittlere Sitz im Fond besitzt zwar keine eigenen Isofix-Anker, ist aber physisch breit genug, um einen regulären, großen Kindersitz mit dem standardmäßigen 3-Punkt-Gurt sicher und völlig wackelfrei zu fixieren.

Dank der extrem cleveren, verschiebbaren Sitze schluckt der Kofferraum je nach Beinfreiheit-Bedarf im Fond gewaltige 580 bis 720 Liter Gepäck. Das reicht mühelos für den zweiwöchigen Italien-Urlaub inklusive Kinderwagen und Sandspielzeug. Werden alle Sitze umgelegt, entsteht ein Laderaum von gigantischen 1.630 Litern mit einem völlig ebenen Ladeboden.

Anhängelast, Getriebe und Wintertauglichkeit

Das neue e-DCS6-Doppelkupplungsgetriebe ist eine technologische Offenbarung gegenüber den ruckeligen Wandlerautomatik-Getrieben früherer PSA-Generationen. Es schaltet die sechs Gänge unter Last seidenweich durch und integriert die elektrische Kraft des 21-kW-Motors so harmonisch, dass man den Wechsel zwischen Elektro- und Verbrennerbetrieb im Lenkrad faktisch nicht spürt.

Für den harten Einsatz als Zugfahrzeug ist der komfortable Franzose jedoch nicht die primäre Wahl. Die gebremste Anhängelast liegt bei mäßigen 1.250 Kilogramm. Das reicht für den ungebremsten Baumarkt-Anhänger oder einen leichten Falt-Caravan, schließt den Transport schwerer Pferdeanhänger jedoch kategorisch aus. Da der C5 Aircross zudem ausschließlich mit Frontantrieb geliefert wird, fehlt ihm im tiefen alpinen Winter die souveräne Traktion eines echten Allradlers – gute Premium-Winterreifen sind hier die absolute Lebensversicherung.

Citroën C5 Aircross - Bild 4

Konkurrenz-Check

Die europäischen Familien-SUVs im ungleichen Duell:

Feature
Citroën C5 Aircross Hybrid
VW Tiguan 1.5 eTSI
Peugeot 3008 Hybrid
Plattform
STLA Medium
MQB evo
STLA Medium
Leistung
136 PS (Mild-Hybrid)
130 PS (Mild-Hybrid)
136 PS (Mild-Hybrid)
Federung
Extrem weich (Hydraulik)
Straff, verbindlich
Straff, dynamisch
Rücksitzbank
3 vollwertige Einzelsitze!
Starre Bank (2/3)
Starre Bank (2/3)
Ergonomie
Echte „Toggle“ Tasten
Touch-Zwang (Nervig)
i-Cockpit (Gewöhnung)
Preis (Real)
ab ca. 34.990 €
ab ca. 41.500 €
ab ca. 39.000 €

Analyse: Der nagelneue VW Tiguan markiert den absoluten deutschen Benchmark. Er lenkt deutlich schärfer und präziser ein, liegt auf der Autobahn jenseits der 160 km/h satter auf der Straße und bietet (gegen extrem teuren Aufpreis) noch edlere Spaltmaße im Cockpit. Wer jedoch drei Einzelsitze im Fond benötigt, wird bei VW schlichtweg abgewiesen. Zudem ist der Wolfsburger ausstattungsbereinigt schnell 6.000 Euro teurer. Der interne Konzernbruder Peugeot 3008 nutzt exakt dieselbe STLA-Plattform, ist aber als rebellischer Dynamiker konzipiert: Er bietet ein strafferes Fahrwerk, das polarisierende, winzige i-Cockpit-Lenkrad und ein abfallendes Fastback-Heck, das gnadenlos wichtige Kopffreiheit im Fond frisst. Der Citroën bleibt der unangefochtene, vernünftige und weiche König der Familien.

Pro & Contra

  • Pro: Die „Advanced Comfort“ Federung bietet einen surrealen, konkurrenzlos weichen Abrollkomfort.
  • Pro: Drei vollwertige, verschiebbare Einzelsitze in Reihe zwei machen ihn zum unschlagbaren Familien-Van-Ersatz.
  • Pro: Ein Sieg der Ergonomie: Echte, blinde bedienbare physische „Toggle“-Tasten unter dem schnellen Display.
  • Pro: Mit 2,09 Metern Außenbreite (inkl. Spiegel) ist die linke Autobahn-Baustellenspur legal befahrbar.
  • Contra: Die Servolenkung ist extrem leichtgängig und vermittelt absolut kein Gefühl für die Fahrbahn.
  • Contra: In schnellen, engen Kurven oder Kreisverkehren neigt sich die weiche Karosserie stark zur Seite.
  • Contra: Der 1.2-Liter-Dreizylinder wirkt auf der Autobahn mit vier Personen und Gepäck angestrengt und laut.
  • Contra: Nur moderate Anhängelast (1.250 kg) und konzeptbedingt überhaupt kein Allradantrieb lieferbar.

Alex Wind meint:

Wir müssen in Europa dringend aufhören, uns Familienautos für irreale Fahrsituationen aufschwatzen zu lassen, die im realen Alltag schlichtweg niemals existieren. Sie fahren mit Ihrem vollgepackten SUV niemals über die Nordschleife auf Bestzeit-Jagd. Sie fahren damit am Freitagabend völlig erschöpft zum Supermarkt, im Sommer über geflickte italienische Autostradas und stehen montags im strömenden Regen auf der A8 im Stau.

Genau für diese ungeschminkte, ehrliche Realität wurde der neue Citroën C5 Aircross (2026) gebaut. Er bietet eine dringend benötigte, automobile Entschleunigungs-Therapie auf vier Rädern. Wer ein knallhartes Sportfahrwerk sucht, mit dem er jede Rille im Asphalt analysieren kann, ist hier völlig und absolut falsch abgebogen. Wer aber einfach nur in himmlischer akustischer Ruhe, völlig ohne quälende Rückenschmerzen und mit drei glücklichen Kindern im Fond stressfrei von A nach B reisen will, findet auf dem Markt derzeit absolut kein besseres und clevereres Angebot.

Wem empfehle ich diesen Franzosen uneingeschränkt? Allen gestressten Familienvätern, souveränen Langstrecken-Cruisern und Menschen mit chronischen Bandscheiben-Problemen. Wenn Sie regelmäßig drei Kindersitze nebeneinander im Auto unterbringen müssen, ist der C5 Aircross ein absoluter No-Brainer, der Ihnen täglich Schweißausbrüche erspart. Wem rate ich jedoch zwingend ab? Allen nervösen Kurvenräubern, sportlichen Ampel-Startern und glühenden Tiguan-R-Line-Fans. Wer jedes Wochenende die gewundene Landstraße aggressiv „erfahren“ will und eine harte, mechanische Rückmeldung von der Lenkung fordert, wird mit diesem fliegenden Teppich aus Paris todunglücklich werden.

Galerie

Author: Alex Wind
Alex Wind ist Senior Technical SEO Analyst und Automotive-Experte mit Fokus auf Datenprüfung und Marktanalysen für den DACH-Raum.


    ⚠️ Fehler im Artikel entdeckt?


    Helfen Sie uns kurz mit einem anonymen Hinweis:

    Spam-Schutz: