Seien wir ehrlich: Niemand kauft einen großen 8-Sitzer-SUV, weil er damit die Rallye Dakar fahren will. Man kauft ihn, weil man Kinder, Hunde, Sporttaschen und den Wocheneinkauf transportieren muss, aber sich weigert, einen Minivan (wie den Honda Odyssey) zu fahren. Der Honda Pilot (2026) ist genau dieses Auto. Er sieht aus wie ein amerikanischer Truck – kastenförmig, breit, maskulin. Besonders in der Trailsport-Version mit den grobstolligen Reifen wirkt er bereit für die Apokalypse. Aber unter dem Blech ist er der vielleicht durchdachteste Familienfreund auf dem Markt. Wir haben den US-Import (der auch in Europa als Grauimport immer beliebter wird) zwei Wochen lang getestet. Ist er besser als ein Kia Telluride oder Toyota Highlander?

Das Design: Weg vom „Seifenstück“
Der alte Pilot sah aus wie ein aufgeblasener CR-V. Rund und harmlos. Der neue Pilot (4. Generation) ist ein Statement. Die Motorhaube steht flach und hoch. Der Grill ist riesig. Die C-Säule ist dick und lackiert (beim Trailsport). Er sieht „tough“ aus. Der Alltagseffekt: Auf dem Schulparkplatz erntet der Pilot Respekt. Er wirkt nicht wie das typische „Mami-Taxi“, sondern eher wie das Auto, mit dem man am Wochenende Holz hacken fährt. Das Design hat einen praktischen Vorteil: Da er so kastenförmig ist, sieht man genau, wo das Auto aufhört. Das hilft beim Rangieren dieses 5,08-Meter-Schiffs ungemein.
Innenraum: Der „Magic Seat“ Trick
Hier spielt Honda seine größte Karte aus. Vergessen Sie Touch-Slider. Der Pilot hat große, griffige Knöpfe für alles. Klima, Lautstärke, Sitzheizung. Man kann alles blind bedienen. Aber das Highlight ist die zweite Sitzreihe (in den Ausstattungen Touring/Elite). Normalerweise müssen Sie sich beim Kauf entscheiden: Wollen Sie eine durchgehende Bank (8 Plätze) oder zwei bequeme Einzelsitze („Captain’s Chairs“, 7 Plätze)? Der Pilot sagt: „Warum nicht beides?“ Der mittlere Sitz in der zweiten Reihe ist herausnehmbar.
- Alltag: Sitz drin lassen = Platz für 8 Personen.
- Urlaub: Sitz rausnehmen = Durchgang zur dritten Reihe und viel Platz. Der Clou: Sie müssen den Sitz nicht in der Garage lassen. Es gibt ein Geheimfach im Kofferraumboden, in das dieser 15-kg-Sitz perfekt hineinpasst. Wir haben das getestet: Es dauert keine zwei Minuten. Das ist Flexibilität, von der ein VW Atlas oder Ford Explorer nur träumen kann.

Platzangebot: Echte dritte Reihe
Viele SUVs behaupten, 7-Sitzer zu sein, aber die dritte Reihe ist eine Strafbank für Menschen ohne Beine. Im Pilot können Erwachsene sitzen. Ich (1,85 m) passe in die dritte Reihe, ohne dass meine Knie die Ohren berühren. Die Fenster hinten sind groß, es gibt USB-C-Anschlüsse für jeden Passagier und – ganz wichtig – 14 Getränkehalter im ganzen Auto. Der Kofferraum ist selbst bei voller Bestuhlung noch nutzbar (ca. 630 Liter bis zum Dach). Klappt man alles um, hat man eine ebene Ladefläche, auf der man fast schlafen kann (über 3.200 Liter). Das ist Transporter-Niveau.
Der Antrieb: V6-Sauger statt Turbo-Stress
In einer Zeit, in der fast alle (Toyota, Ford) auf kleine Vierzylinder-Turbos setzen, bleibt Honda stur. Unter der Haube arbeitet ein 3.5-Liter V6 Sauger. 285 PS. Kein Turbo. Kein Hybrid (beim Pilot). Wie fährt sich das? Sämig. Linear. Souverän. Der Motor hängt direkt am Gas. Er klingt kernig, aber nie angestrengt. Die 10-Gang-Automatik schaltet fast unmerklich. Es ist Technik vom „alten Schlag“, die Vertrauen erweckt. Man hat das Gefühl, dieser Motor hält 500.000 Kilometer. Der Nachteil: Der Verbrauch. Wir lagen im Schnitt bei 11,5 bis 12,5 Litern. In der Stadt auch mal 14. Ein Toyota Grand Highlander Hybrid braucht 5 Liter weniger. Das ist der Preis, den man für den V6-Charakter zahlt.

Der Trailsport: Mehr als nur Optik?
Wir sind die Trailsport-Version gefahren. Sie hat:
- Höhere Bodenfreiheit (+ 2,5 cm).
- Echte All-Terrain-Reifen (Continental TerrainContact).
- Unterfahrschutz aus Stahl (Tank und Ölwanne).
- Ein speziell abgestimmtes Allradsystem (i-VTM4). Ist er ein Jeep Wrangler? Nein. Aber das Allradsystem ist genial. Es kann bis zu 70% der Kraft nach hinten leiten und dort zu 100% an ein Rad (Torque Vectoring). Im Test: Auf einem schlammigen Feldweg zog der Pilot stoisch seine Bahnen, wo ein normaler Crossover gerutscht wäre. Für den Skiurlaub oder den Campingplatz ist das mehr als genug Kompetenz. Positiver Nebeneffekt der dicken Reifen: Der Fahrkomfort ist himmlisch. Gullideckel und Schlaglöcher werden einfach weggebügelt.
Fazit: Der „No-Bullshit“-SUV
Der Honda Pilot (2026) ist das ehrlichste Auto in seinem Segment. Er versucht nicht, ein Sportwagen zu sein. Er versucht nicht, mit riesigen Bildschirmen zu blenden (der Screen ist mit 9 Zoll sogar eher klein). Er konzentriert sich darauf, das Leben von Familien einfacher zu machen. Mit dem genialen variablen Sitz, den robusten Materialien und dem stressfreien V6-Motor ist er der „Fels in der Brandung“. Wer den Spritverbrauch akzeptieren kann, bekommt hier das vielleicht beste Familienauto, das kein Minivan ist.
Die ungeschminkte Wahrheit:
- Nervig: Der zentrale Touchscreen ist für das Jahr 2026 etwas klein. Die Konkurrenz bietet 12 oder 14 Zoll.
- Genial: Das „CabinTalk“-System. Man kann über ein Mikrofon mit den Kindern in der dritten Reihe sprechen (über die Lautsprecher), ohne schreien zu müssen.
Kaufen Sie ihn, wenn:
- Sie maximale Flexibilität (8 Sitze oder Durchgang) brauchen.
- Sie V6-Laufkultur lieben und Turbos misstrauen.
- Sie oft abseits befestigter Straßen parken (Trailsport).
Lassen Sie es, wenn:
- Sie auf den Spritverbrauch achten müssen. Er ist durstig.
- Sie modernstes „Bling-Bling“-Infotainment wollen. Honda ist hier konservativ.
- Sie in engen europäischen Innenstädten wohnen. Er ist über 2 Meter breit (mit Spiegeln).
