Es gibt Konstanten in Deutschland. Das Reinheitsgebot. Die Pünktlichkeit der Tagesschau. Und die Mercedes E-Klasse. Jahrzehntelang war sie das Rückgrat des deutschen Mittelstands und jedes Taxistands. Aber schauen Sie sich die aktuelle Baureihe W214 (Limousine) oder S214 (T-Modell) an. Elfenbein-Beige steht ihr nicht mehr. Die E-Klasse im Jahr 2026 ist ein rollendes Rechenzentrum. Sie hat Selfie-Kameras für Zoom-Calls, sie streamt Filme auf der Beifahrerseite und sie fährt dank KI fast von allein. Gleichzeitig ist sie wahrscheinlich der letzte Verbrenner-Mercedes dieser Art. Ist der Spagat zwischen „alter Welt“ (Diesel, Reichweite, Komfort) und „neuer Welt“ (TikTok, Apps, Elektrifizierung) gelungen? Wir haben den Bestseller E 300 de (Diesel-Plug-in-Hybrid) getestet.
Das Design: Brücke zwischen den Welten
Mercedes hat einen klugen Schachzug gemacht. Während der elektrische EQE aussieht wie ein rundgelutschtes Seifenstück (und sich nur mäßig verkauft), behält die E-Klasse ihre klassische Form. Lange Haube, zurückversetzte Kabine („Cab-Backward-Design“), stolzer Grill. Aber sie zitiert die Moderne: Der schwarze Rahmen um den Kühlergrill verbindet die Scheinwerfer (wie bei den EQ-Modellen). Die Türgriffe fahren bündig ein. Das markanteste Merkmal sehen Sie nachts: Die Rückleuchten haben ein Stern-Muster. Manche finden das kitschig, andere genial. Fakt ist: Jeder erkennt sofort, dass Sie die neue E-Klasse fahren.
Innenraum: Der „Superscreen“-Schock
Vergessen Sie klassische Instrumente. Wenn Sie das Kreuzchen beim MBUX Superscreen machen, besteht das Armaturenbrett aus Glas. Fahrer-Display, Zentral-Display und Beifahrer-Display verschmelzen. Ist das zu viel? Am Anfang: Ja. Man wird erschlagen von Icons, Apps und bunten Lichtern. Nach zwei Tagen: Nein. Es ist brillant. Das System ist rasend schnell. Die Routenführung mit „Augmented Reality“ (Pfeile schweben über dem Kamerabild der Straße) ist immer noch das Beste am Markt. Und ja, man kann im Stau wirklich an einer WebEx-Konferenz teilnehmen – dank der Kamera auf dem Armaturenbrett. Das Büro ist jetzt überall. Kritik: Die Lüftungsdüsen werden jetzt elektrisch per Touchscreen gesteuert („Digital Vent Control“). Das ist eine Lösung für ein Problem, das niemand hatte. Gebt uns die manuellen Regler zurück! Auch die Touch-Tasten am Lenkrad bleiben eine ergonomische Katastrophe.
Der Antrieb: E 300 de – Die „Eierlegende Wollmilchsau“
Der E 220 d ist solide. Der Sechszylinder E 450 ist souverän. Aber der König der E-Klasse ist der E 300 de. Ein 2.0-Liter Diesel (197 PS) kombiniert mit einem E-Motor (129 PS) und einer riesigen Batterie (25,4 kWh). Das Ergebnis ist magisch. Wir sind im Test knapp 100 Kilometer rein elektrisch gefahren. Lautlos. Sämig. Genug Power für die Stadt und Landstraße. Und wenn der Akku leer ist? Dann nagelt der Diesel leise vor sich hin und bringt Sie weitere 900 Kilometer weit. Der Verbrauch auf der Langstrecke (mit leerem Akku): 5,5 bis 6,5 Liter Diesel. Für ein 2,3 Tonnen schweres Auto ist das sensationell. Dank der 0,5%-Dienstwagenverbesteuerung ist dieser Motor in Deutschland der absolute Bestseller. Zurecht.
Komfort: Wie auf Wolken (dank Airmatic)
Serienmäßig hat die E-Klasse ein Stahlfahrwerk. Das ist okay. Aber tun Sie sich einen Gefallen: Bestellen Sie das Technik-Paket mit der Airmatic (Luftfederung) und der Hinterachslenkung. Erstens: Der Wendekreis schrumpft auf Golf-Niveau. Das 5-Meter-Schiff wird handlich. Zweitens: Der Komfort ist unerreicht. Ein BMW 5er (G60) fährt sportlicher, direkter. Ein Audi A6 fährt verbindlicher. Aber die E-Klasse entkoppelt Sie von der Welt. Sie schwebt. Windgeräusche? Kaum vorhanden. Abrollgeräusche? Weggedämmt. Es ist das perfekte Auto, um nach 600 Kilometern entspannt auszusteigen.
Das T-Modell (S214): Der Lademeister
In Deutschland kauft niemand die Limousine (außer Fahrdiensten). Wir kaufen den Kombi. Das T-Modell sieht sportlicher aus als früher (die Heckscheibe ist flacher). Trotzdem passt ordentlich was rein: 615 bis 1.830 Liter. Achtung beim Hybrid: Wegen der Batterie ist der Boden hier minimal höher und das Volumen sinkt auf 460 bis 1.675 Liter. Die Stufe im Ladeboden, die der Vorgänger (W213 Hybrid) hatte, ist aber weg! Der Boden ist eben. Ein riesiger Fortschritt. Die Heckklappe ist breit, die Ladekante niedrig (dank Luftfederung absenkbar). Ein praktischeres Auto gibt es im Premium-Segment kaum.
Fazit: Der letzte König der Autobahn
Die Mercedes E-Klasse (2026) ist kein günstiges Vergnügen. Ein gut ausgestatteter E 300 de T-Modell kratzt schnell an der 90.000 Euro Marke. Aber dafür bekommen Sie das vielleicht kompletteste Auto der Welt. Es ist digitaler als ein Tesla, komfortabler als ein Rolls-Royce (fast) und sparsamer als ein Kleinwagen (wenn man lädt). Es ist der Beweis, dass der Verbrenner – unterstützt durch kluge Hybrid-Technik – auf der Langstrecke noch lange nicht tot ist.
Kaufen Sie ihn, wenn:
- Sie Vielfahrer sind (30.000 km+ im Jahr). Es gibt keinen besseren Reisebegleiter.
- Sie Steuervorteile nutzen wollen (E 300 de).
- Sie Technik lieben. Der Superscreen ist Kino auf Rädern.
Lassen Sie es, wenn:
- Sie ein puristisches Fahrerlebnis suchen. Das Auto filtert alles weg.
- Sie Touch-Bedienung hassen.
- Sie das Geld selbst bezahlen müssen (der Wertverlust ist in den ersten Jahren hoch, typisch Business-Limousine).



















