Wenn Sie in den USA am Flughafen den „Economy“-Mietwagen buchen – also die Kategorie, die noch unter „Compact“ liegt – dann bekommen Sie ihn: Den Nissan Versa. Er ist der billigste Neuwagen, den man in Amerika kaufen kann. In Deutschland ist das Segment der „Kleinwagen-Stufenheck-Limousinen“ so tot wie die Videothek. Der VW Polo Stufenheck? Weg. Der Ford Fiesta? Weg. Aber ab und zu taucht ein Versa auf deutschen Straßen auf. Meistens mit US-Kennzeichen in der Nähe von Ramstein oder als günstiger Grauimport. Wir haben uns den „Baby-Altima“ angesehen. Ist er nur billig, oder ist er eine ernsthafte Alternative zum Dacia Sandero oder Mitsubishi Space Star?
Das Design: Kein „Billig-Look“ mehr
Früher sah der Versa aus wie eine unförmige Kartoffel. Hoch, schmal, seltsam. Das Modelljahr 2026 (Generation N18 Facelift) sieht überraschend erwachsen aus. Er trägt den gleichen aggressiven „V-Motion“-Grill wie seine großen Brüder Altima und Sentra. Er hat scharfe Linien und (in der SR-Ausstattung) schicke 17-Zoll-Felgen. Niemand, der ihn sieht, denkt sofort: „Das ist ein 16.000-Dollar-Auto.“ Er wirkt wie eine geschrumpfte Mittelklasse-Limousine. In einer deutschen Innenstadt fällt er auf, weil er eine Form hat, die wir hier kaum noch kennen.
Der Antrieb: 122 PS gegen die Ungeduld
Unter der Haube arbeitet Technik aus der Steinzeit. Und das ist als Kompliment gemeint. Ein 1.6-Liter Vierzylinder-Saugmotor. Kein Turbo. Kein Hybrid. Keine Zylinderabschaltung. 122 PS (124 hp) und 155 Nm. In den USA gibt es ihn im Basismodell sogar noch als 5-Gang-Handschalter (ein Einhorn!). Die meisten Importe haben aber das Xtronic CVT. Wie fährt sich das? In der Stadt: Spritzig. Da das Auto nur knapp 1,2 Tonnen wiegt, reichen die 122 PS völlig aus. Auf der Autobahn: Anstrengend. Das CVT hält den Motor bei 130 km/h zwar ruhig, aber jede Steigung und jeder Überholvorgang zwingen die Nadel in den roten Bereich. Der Motor dröhnt dann lautstark seinen Unmut heraus. Er schafft Tacho 190, aber er mag es nicht. Er liegt bei hohem Tempo etwas nervös. Der Verbrauch ist okay (ca. 6,5 Liter), aber nicht sensationell. Ein moderner Turbo-Motor ist effizienter, aber auch anfälliger.
Innenraum: Hartplastik trifft High-Tech
Man merkt den Preis im Innenraum. Das Armaturenbrett besteht aus Hartplastik. Wenn man dagegen klopft, klingt es hohl. Aber: Nissan hat das Geld dort ausgegeben, wo es zählt.
- Die Sitze: Auch der billigste Nissan hat die Zero Gravity Sitze. Sie sind unglaublich bequem für diese Klasse. Besser als im Dacia, besser als im Mitsubishi.
- Die Technik: Selbst Basis-Modelle haben oft einen großen Touchscreen mit Apple CarPlay und Android Auto. Es gibt einen digitalen Tacho-Screen (halb digital, halb analog) und sogar eine induktive Ladeschale im Top-Modell. Platz hinten? Überraschend viel. Zwei Erwachsene können hinten sitzen, ohne sich die Knie zu stoßen. Der Kofferraum ist tief und schluckt mehr als ein VW Golf (ca. 420 Liter), aber die Ladeluke ist eben eng.
Import: Lohnt sich das?
Ein neuer Versa kostet in den USA ca. 17.000 bis 20.000 Dollar. Bis er in Deutschland steht (Zoll, Steuer, Fracht, Umbau), sind es schnell 25.000 Euro. Für das Geld bekommen Sie einen gut ausgestatteten Dacia Sandero Stepway oder einen jungen gebrauchten VW Golf. Als Neuwagen-Import ist der Versa also sinnlos.
Aber als Gebrauchtwagen: Oft werden diese Autos von US-Soldaten oder Rückkehrern für 10.000 bis 12.000 Euro verkauft (Baujahr 2023/2024). Und dann schlägt er jeden Mitsubishi Space Star. Sie bekommen ein Auto mit 122 PS, viel Platz, moderner Sicherheitsausstattung (Notbremsassistent ist Serie!) und einer Technik, die ewig hält (der 1.6er Sauger ist unzerstörbar).
Fazit: Der ehrlichste Kleinwagen
Der Nissan Versa (2026) ist ein Auto für Menschen, die Auto fahren müssen, es aber nicht als Hobby betrachten. Er ist zuverlässig, geräumig und sieht gut aus. Er ist der Beweis, dass „billig“ nicht „hässlich“ bedeuten muss. Wer günstig an einen Import kommt und ein einfaches Pendler-Auto sucht, macht hier nichts falsch – solange er nicht jeden Tag mit 180 km/h über die Autobahn brettern will.
Kaufen Sie ihn (Gebraucht/Import), wenn:
- Sie ein einfaches Auto suchen, das nicht an jeder Ecke steht.
- Sie Turbomotoren misstrauen und lieber Hubraum (naja, 1.6 Liter) wollen.
- Sie wenig Geld haben, aber nicht auf gute Sitze und CarPlay verzichten wollen.
Lassen Sie es, wenn:
- Sie oft Sperrgut transportieren. Die Limousinen-Form ist unpraktisch.
- Sie Haptik-Fetischist sind. Hier regiert das Hartplastik.
- Sie auf der Autobahn Souveränität suchen. Der Versa ist ein City-Car.






















