Alpine A290 (2026) im Test: Der Renault 5 auf Steroiden – Ein echter Hot Hatch?

Die Marke Alpine stand bisher für eines: Die A110. Ein leichtes, puristisches Verbrenner-Coupé. Doch wir schreiben das Jahr 2026. Die Ära der elektrischen „Dream Garage“ von Alpine hat begonnen. Das erste Modell? Die Alpine A290. Böse Zungen sagen: „Das ist doch nur ein Renault 5 mit Spoiler.“ Alpine sagt: „Nein, das ist ein echter Sportwagen im Kompaktformat.“ Technisch basiert er auf dem gefeierten Renault 5 E-Tech, aber die Ingenieure aus Dieppe haben Fahrwerk, Motor und Bremsen komplett überarbeitet. Kann ein 1,5 Tonnen schweres Elektroauto den Geist des legendären „R5 Turbo“ wiederbeleben? Und schlägt er den Mini Cooper SE? Ich habe den A290 GTS durch den Schwarzwald gejagt.

Design: Rallye-Feeling für die Straße

Der A290 sieht fantastisch aus. Punkt. Er nimmt den charmanten Retro-Look des Renault 5 und pumpt ihn auf. Die Kotflügel sind breiter (+60 mm). Er kauert tief auf der Straße. Das Highlight: Die X-Grafik in den Zusatzscheinwerfern vorne. Eine Hommage an die alten Rallye-Autos, bei denen man die Scheinwerfer abklebte. Dazu gibt es 19-Zoll-Felgen („Snowflake“-Design), die direkt vom A110-Design inspiriert sind. In der Farbe „Alpine Blue“ oder dem neuen „Matte Grey“ drehen sich die Leute auf der Straße um. Er wirkt nicht aggressiv wie ein Honda Civic Type R, sondern cool und selbstbewusst.

Innenraum: Formel 1 am Lenkrad

Ich steige ein und falle in tief montierte Sportsitze. Der Seitenhalt ist exzellent. Der Blick fällt sofort auf das Lenkrad. Es ist unten abgeflacht und hat spezielle Knöpfe, die aus der Formel 1 stammen könnten:

  1. OV (Overtake): Ein roter Knopf für 10 Sekunden volle Power (dazu später mehr).
  2. RCH (Recharge): Ein Drehregler, um die Rekuperation (Bremswirkung) einzustellen. Das Cockpit ist bekannt aus dem Renault 5 (Google-System), aber die Grafiken sind sportlicher („Pyramiden“-Design). Die Materialqualität ist eine Mischung: Alcantara und gepolstertes Lederimitat treffen auf Hartplastik in den unteren Bereichen. Für einen Preis von über 40.000 Euro hätte es hier und da etwas edler sein dürfen. Platzangebot: Vorne top. Hinten… naja. Es ist ein Kleinwagen (3,99 Meter). Wer größer als 1,80 m ist, stößt mit den Knien an. Der Kofferraum (326 Liter) reicht für den Wochenendeinkauf, ist aber durch die Sport-Sitze etwas schlechter nutzbar als im normalen R5.

Fahrbericht: Ein Kurvenräuber mit Joystick-Feeling

Ich drücke den Startknopf. Modell: GTS. Das heißt 160 kW (220 PS) und 300 Nm. 0-100 km/h in 6,4 Sekunden. Das klingt auf dem Papier „nur“ flott. Ein Tesla Model 3 Performance zerstört ihn auf der Geraden. Aber: Die Alpine A290 kauft man nicht für die Gerade. Man kauft sie für die Kurve. Alpine hat Wunder am Fahrwerk gewirkt. Die Spur ist breiter, die Stabis sind dicker, und – ganz wichtig – er hat hydraulische Anschläge (Bump Stops) wie die A110. Das Ergebnis: Er ist straff, aber er hoppelt nicht. Er saugt sich an der Straße fest. Die Mehrlenker-Hinterachse (ein Unikum in dieser Klasse!) sorgt dafür, dass das Heck spielerisch mitlenkt. Wenn man in der Kurve vom Gas geht, dreht sich das Heck sanft ein. Es fühlt sich lebendig an, fast wie ein alter französischer Hot Hatch (Clio R.S.), nur ohne Lärm. Die Brembo-Bremsen (4-Kolben vorne, aus der A110!) packen giftig zu und haben einen klaren Druckpunkt.

Der OV-Button (Overtake): Drückt man den roten Knopf am Lenkrad, gibt der Motor sofort die vollen 220 PS und 300 Nm frei (sonst ist die Leistung oft gedrosselt). Es ist ein Gimmick, ja. Aber es macht Spaß, vor dem Überholen den Daumen auf den Knopf zu legen wie ein Pilot beim Nachbrenner.

Verbrauch & Reichweite: Batterie: 52 kWh (netto).

  • Sportliche Fahrt: 21 kWh/100km.
  • Alltag: 16,5 kWh/100km.
  • Reichweite (Real): ca. 320 – 350 km. Wenn man ihn tritt, ist nach 250 km Schluss. Für einen City-Sportler ist das okay, für die Langstrecke muss man planen.

Laden: 100 kW (DC). 15 auf 80 % in 30 Minuten. Das ist Standard.

Technische Daten & Realitäts-Check

Datenpunkt
Alpine A290 GTS (2026)
Alex Wind Kommentar
Leistung
160 kW (220 PS) / 300 Nm
Fühlt sich in dem kleinen Auto nach mehr an.
0-100 km/h
6,4 Sekunden
GTI-Niveau.
Gewicht
ca. 1.479 kg
Für ein E-Auto leicht, für einen Hot Hatch schwer.
Antrieb
Frontantrieb (FWD)
Mit elektronischer Drehmomentverteilung.
Batterie
52 kWh (NMC)
Aus dem Renault 5.
Reichweite (WLTP)
ca. 380 km
Real 320 km.
Laden (DC)
100 kW
Reicht für die Kaffeepause.
Preis (Basis GT)
ca. 38.700 €
Teurer Spaß.
Preis (Testwagen GTS)
ca. 45.500 €
„Premiere Edition“ Niveau.

Pro & Contra

  • Fahrspaß: Das Fahrwerk ist brillant abgestimmt. Agil, spielerisch, präzise.
  • Design: Die X-Lichter und die breiten Backen sind Kult.
  • Bedienung: Echte Knöpfe am Lenkrad (RCH/OV) machen Spaß.
  • Infotainment: Google Automotive funktioniert tadellos.
  • Preis: Über 45.000 € für einen Kleinwagen sind heftig.
  • Wendekreis: Durch die breite Spur ist der Wendekreis größer als beim R5 (10,2 m).
  • Reichweite: Bei sportlicher Fahrt schmilzt der Akku schnell.
  • Sound: Der künstliche „Alpine Sound“ klingt etwas synthetisch (kann man abschalten).

Konkurrenz-Check

  • Mini Cooper SE (J01): Der Erzfeind. Fährt sich noch „go-kartiger“, lenkt direkter ein, ist aber innen verspielter (kein Tacho) und hat weniger Platz hinten. Ein Duell auf Augenhöhe.
  • Abarth 500e: Der Lautsprecher. Hat einen Soundgenerator außen (!), ist aber langsamer (155 PS) und hat einen winzigen Akku (42 kWh). Die Alpine ist das deutlich ernsthaftere Auto.
  • VW ID.3 GTX: Eine Nummer größer. Stärker, schneller, aber viel schwerer und weniger emotional.

Fazit: Alex Wind meint…

Die Alpine A290 (2026) ist kein Renault 5 mit Aufklebern. Die Ingenieure haben tief in die Trickkiste gegriffen. Das Fahrwerk ist ein Gedicht. Es ist eines der wenigen Elektroautos, die wirklich Fahrspaß auf der Landstraße vermitteln, nicht nur beim Ampelstart. Ist sie perfekt? Nein. Sie ist teuer und die Reichweite ist durchschnittlich. Aber sie hat Charme. Wer früher einen Clio Williams oder R5 Turbo wollte, kann hier zuschlagen, ohne ein schlechtes Gewissen gegenüber der Umwelt zu haben. Mein Tipp: Sparen Sie sich die „GT“-Basisversion (180 PS). Wenn schon Alpine, dann richtig: Nehmen Sie den GTS (220 PS). Der Motor passt perfekt zum Chassis.

FAQ

1. Was macht der RCH-Knopf genau? RCH steht für Recharge. Damit können Sie in vier Stufen einstellen, wie stark das Auto bremst, wenn Sie vom Gas gehen (Rekuperation). Von „Segeln“ (0) bis fast „One-Pedal“ (3). Das am Lenkrad zu haben, ist genial für sportliches Fahren vor Kurven.

2. Ist die A290 schneller als die A110? Nein. Die alte A110 (Verbrenner) wiegt 1.100 kg und fährt 0-100 in 4,5 Sekunden. Die A290 wiegt fast 1.500 kg. Die Physik lässt sich nicht austricksen. Aber für einen Elektro-Kleinwagen ist die A290 sehr agil.

3. Passt der Michelin-Reifen? Alpine hat mit Michelin spezielle Reifen für die A290 entwickelt (Pilot Sport EV). Sie bieten einen tollen Kompromiss aus Grip und Reichweite. Achten Sie beim Nachkauf auf die Kennung!

Galerie

Author: Alex Wind
Alex Wind ist Gründer von HH-AUTO und Chefredakteur des Mediennetzwerks. Als studierter Fahrzeugtechniker (FH Esslingen) mit über 10 Jahren Erfahrung in der Automobilindustrie (u.a. Qualitätssicherung) und Mitglied im Verband der Automobiljournalisten (VDAJ), legt er den Fokus auf fundierte Testberichte, technische Analysen und Import-Checks.


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